Zwei Millionen Euro für 20 Prozent des Unternehmens – da verging den Löwen der Appetit. Warum die Gründer trotzdem von ihrer Bewertung überzeugt sind. 

Ein saftiges Stück Fleisch für die Löwen – damit wollten die vier Gründer von Otto Wilde Grillers die Jury überzeugen und hatten unter dem Motto „Fleisch ain’t no Firlefanz“ zur Demonstration ihres Grills groß aufgetischt.

Das Steak kam gut an, ebenso wie das Produkt, doch bei der Forderung nach zwei Millionen Euro für 20 Prozent des Geschäfts blieb den fünf Löwen der Bissen im Hals stecken.

Nacheinander stiegen alle aus – und die Düsseldorfer Unternehmer mussten ohne Investment nach Hause fahren. Warum sie ihre Forderung immer wieder so gestellt hätten und wie es für sie nach der Aufzeichnung weiter ging, verrät Co-Gründerin Julia Wilde im Interview.

Frau Wilde, mit Ihrem Auftritt haben Sie die Löwen erkennbar schockiert. Zwei Millionen Euro für 20 Prozent ihres Geschäfts – ein spannendes Produkt, aber eine überzogene Bewertung war die allgemeine Meinung. Da wollte keines der Jurymitglieder einschlagen. Ärgern Sie sich im Nachhinein über Ihre Forderung?
Überhaupt nicht! Unsere Bewertung kam ja nicht aus dem Blauen heraus, sie basierte auf den aktuellen Umsatzzahlen. Außerdem hatten wir im April 2016 bereits erfolgreich eine Kickstarter-Kampagne durchgeführt und dabei unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. 536 Unterstützer haben in 30 Tagen 334.607 Euro in unser Produkt gesteckt – und gezeigt, dass die Kundschaft durchaus an dem Produkt interessiert ist. Wir sind also nach wie vor überzeugt von unserer Forderung und hätten es auch im Nachhinein nicht anders gemacht. Wir wollten uns nicht unter Wert verkaufen.

Waren Sie mit Ihrem Pitch denn insgesamt zufrieden?
Eigentlich ja, allerdings haben wir uns gewundert, dass die Löwen sich bei ihren Nachfragen so stark auf das Produkt konzentriert haben und nichts zur Größe des Marktes wissen wollten, denn der hat echtes Potential. Im Nachhinein hätten wir natürlich selbst verstärkt darauf hinweisen müssen – diese Chance haben wir vergeben.

Apropos Größe des Marktes – Sie sprachen während des Pitches ja von einer geplanten Internationalisierung. Wie weit ist diese mittlerweile vorangeschritten? 
Wir sind im Juni in den US-Markt eingetreten und arbeiten gerade vor allem mit Hilfe von einigen Influencern daran, Otto Wilde dort bekannt zu machen. Das nächste Ziel ist dann der australische Markt, denn die Aussies sind ja bekanntermaßen auch eine grillbegeistrete Nation.

Wie entstand eigentlich die Idee zu Otto Wilde? Sind Sie Fleisch-Experten oder nur begeisterte Hobby-Griller?
Beruflich hatten wir nie mit Fleisch zu tun. Mein Schwiegervater Otto Wilde, der auch Namensgeber des Unternehmens ist, ist als ehemaliger Bergbau-Ingenieur der technische Kopf hinter dem Start-up. Mein Schwager Nils und unser Freund Alex haben zusammen Springlane gegründet, einen Online-Shop für Küchen-Zubehör und ich selbst habe bei einer Strategieberatung gearbeitet. Für unsere Idee haben wir alle unsere bisherigen Jobs aufgegeben. Uns eint die Begeisterung für gutes Essen – und die Tatsache, dass wir alle einige Zeit in den USA gelebt, und dort gelernt haben, wie das perfekte Steak schmecken muss. Bei einem gemeinsamen Grillabend entstand plötzlich die Idee, selbst etwas zu machen. Otto fing an zu tüfteln, wir baten einen Industriedesigner um Unterstützung und legten los.

Es gibt bereits einige Grillhersteller mit großer Reichweite und gutem Ruf. Wieso braucht es noch einen?
Ganz einfach: Weil uns keines der bereits vorhandenen Produkte zufriedengestellt hat – mit keinem konnten wir das Fleisch so zubereiten, dass es unseren Ansprüchen genügt hätte. Und wenn wir die Rückmeldungen betrachten, scheint es anderen ähnlich zu gehen – der Bedarf ist da: Wir haben seit Oktober 2016 über 2000 Grills verkauft.

Wie haben Sie Otto Wilde bisher finanziert?
Anfangs hatten wir einen KfW-Gründerkredit, dann kam die Crowdfunding-Kampagne und seitdem wachsen wir aus eigenen Kräften.

Die Löwen wirkten ziemlich angetan von Ihrem Produkt, haben allerdings auch jenseits der hohen Bewertung noch weitere Kritik geäußert – so kritisierte Carsten Maschmeyer die Größe des Grills. 
Tatsächlich konnten wir diesen Punkt nicht nachvollziehen. Der Grill ist ja absichtlich nicht riesig, so dass man ihn auch auf einem kleineren Balkon unterbringen kann. Aber er ist definitiv groß genug für jeden Zweck – wir haben bereits für 200 Leute darauf gegrillt.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? 
Neben der Internationalisierung wollen wir den Verkauf auf dem Offline-Markt vorantreiben. Von vielen Kunden wissen wir, dass sie das haptische Erlebnis brauchen, sie wollen den Grill anfassen, bevor sie ihn kaufen. Darum sprechen wir zurzeit mit vielen potentiellen Handelspartnern, die sich vorstellen können Otto Wilde in ihr Sortiment aufzunehmen. Bisher gibt es den Grill bei 35 Händlern zu kaufen.