Gründerraum: Herr Ortmans, Sie haben Ihr erstes Unternehmen mit 19 Jahren gegründet; das zweite mit 34. Haben Sie zwischendurch mal ans Aufgeben gedacht?
Ortmans: Natürlich. Ich hatte zwar nie größere Probleme mit der Liquidität und habe immer meine Lieferanten und Mitarbeiter pünktlich bezahlt. Aber manchmal habe ich, wie wohl alle Gründer, selbst kein Geld verdient.

Was hat Ihnen dabei geholfen, Ihre Zweifel zu überwinden?
Mir helfen immer zwei Dinge. Erstens: Morgen sieht die Welt oft wieder ganz anders aus. Zweitens: Zeit. Häufig habe ich vor Herausforderungen gestanden und erstmal eine Weile gewartet, bevor ich etwas unternommen habe.

Jonathan Ortmans

Jonathan Ortmans

ist Präsident der Global Entrepreneurship Week und arbeitet für die US-amerikanische Kauffman Stiftung, Initiatorin und Sponsorin der weltweiten Aktionswoche. Ziel der “Week” ist es, den Unternehmergeist junger Menschen zwischen 14 und 30 Jahren zu wecken. Die Schirmherrschaft in Deutschland hat das Bundeswirtschaftsministerium.

Ortmans hat sein erstes Unternehmen mit 19 Jahren, sein zweites mit 34 Jahren gegründet. Heute versucht er, Politikern und Meinungsführern die Bedeutung des Unternehmertums zu vermitteln.

Heute machen Sie sich als Lobbyist bei Politikern für Unternehmertum stark. Warum ist es so wichtig, dass mehr junge Menschen zu Gründern werden?
Die heutige Generation der Unter-30-Jährigen hat neue Möglichkeiten, aus ihren Ideen und ihrem Idealismus Kapital zu schlagen und ihn als Fundament unternehmerischen Denkens zu nutzen. Das ist ein Resultat des technologischen Fortschritte und eines Imagewandels: Ein Startup zu gründen gilt heute als cool. Unternehmen sind nicht länger Auswüchse des hässlichen Kapitalismus, sondern werden von Menschen gegründet, die das Leben anderer Menschen besser machen wollen. Und: Wenn wir die hohe Jugendarbeitslosigkeit in den Griff kriegen wollen, tun wir gut daran, junge Menschen zu ermutigen, ihr unternehmerisches Potenzial zu erkunden.

Was sind die Hauptgründe dafür, dass junge Menschen keine Gründer werden, obwohl sie es könnten und sollten?
Experten debattieren seit Jahren darüber, ob Menschen als Gründer geboren werden oder ob man ihnen das beibringen kann. Eins ist allerdings klar: Du wirst es nie wissen, wenn du es nicht versucht hast. Diese Herangehensweise wollen wir mit der Global Entrepreneurship Week verstärken. Unsere Mission ist es, junge Leute nicht nur dazu zu bringen, Unternehmen zu gründen, sondern auch dazu, unternehmerisch zu denken – also innovativ und kreativ zu werden, Gelegenheiten zu erkennen und zu nutzen.

Wie wollen Sie das konkret tun?
Indem wir den Teilnehmern zeigen, dass Unternehmer das Neue zur Welt bringen. Sie sind diejenigen, die der Welt ihren Stempel aufdrücken, indem sie das Leben der anderen Menschen verbessern und den Planeten vielleicht etwas grüner machen. Wir wollen zeigen, dass es um Ideen und Kreativität geht, und darum, in informellen Netzwerken anderen zu helfen und sich selbst zu verwirklichen.

Aber Gründer wollen doch nicht nur die Welt verbessern, sondern auch Geld verdienen?
Natürlich ist es wichtig, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber gerade in Ländern wie Deutschland, wo Gesundheitsversorgung und Bildung den meisten Menschen unabhängig von ihrem Einkommen zugänglich sind, wollen wir deutlich machen, dass junge Leute das Risiko eingehen können, um ihre große Idee zu testen.

Was ist wichtiger für Gründer: Wissen, Inspiration oder Vorbilder?
Es ist eine Kombination all dieser Dinge. Der wichtigste Schritt ist, eine Idee zu haben. Allerdings braucht diese Idee Unterstützung: Es bedarf zunächst mal eines Klimas, dass Menschen ermutigt, Unternehmen zu gründen. Dann müssen sich Gründer auf den Märkten auskennen, auf denen sie erfolgreich sein wollen. Und um aus diesem Wissen etwas zu machen, brauchen sie finanzielle Mittel. Schließlich benötigen sie Mentoren, die ihnen bei den nächsten Schritten helfen und sie ermutigen.

Wie finden Gründer solche Mentoren?
Ein guter Mentor ist jemand, der selbst Erfahrungen als Gründer gesammelt hat und der die Persönlichkeit und die Fähigkeit besitzt, sie an jene weiterzugeben, die denselben Weg gehen wollen. Ein guter Mentor berät mehr als dass er konkrete Antworten liefert. Auf der Global Entrepreneurship Week gibt es viele Möglichkeiten, Mentoren zu finden – die Organisatoren helfen dabei.

Die Global Entrepreneurship Week findet weltweit statt. Auf welche Gründer freuen Sie sich am meisten?
Viele bekannte Gründer unterstützen die Global Entrepreneurship Week – etwa Virgin-Gründer Richard Branson oder Michael Dell, der Gründer von Dell. Und ich bin sehr gespannt auf ein Event in Moskau mit Muhammad Yunus, dem Gewinner des Friedensnobelpreises im Jahr 2006.

Vielen Dank für das Gespräch!