Mit einer App das Internet ausblenden: Das ist die Idee des Start-ups Offtime. Mit seinem Programm lassen sich Anrufe und SMS gezielt blockieren.

Ausgerechnet mit einer App will das Berliner Start-up Offtime erreichen, dass Smartphone-Nutzer abschalten können, ohne dass sie ihr Gerät ausschalten müssen. „Wir haben in unserer Gesellschaft das zwiespältige Bedürfnis, immer alles mit zu bekommen, gleichzeitig aber auch mal Ruhe zu haben – ohne die ständigen Unterbrechungen“, sagt Michael Dettbarn (rechts), studierter Psychologe und einer der Gründer von Offtime. Gemeinsam mit Marc Scherfenberg, Andreas Bernhard und Alexander Steinhart (von links) entwickelte er eine App, die Anrufe, SMS oder andere Nachrichten ausgewählter Absender für einen bestimmten Zeitraum blockiert. Unternehmen wie Apple und Google haben zwar einen Nicht-Stören-Modus, der lässt aber keine Ausnahmen zu, wie es die Offtime-App tut.

Zugleich erstellt die App Statistiken darüber, wie oft, wie lange und wofür der Nutzer sein Smartphone einsetzt, wenn es nicht blockiert ist. So könne jeder „sich selbst disziplinieren“, sagt Dettbarn. „Ständige Ablenkung reduziert die Produktivität und keine Erholungsphasen erhöhen das Risiko von Stress und Burnout“, sagt Alexander Steinhart. Erste Studien, die in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität erstellt wurden, zeigen, dass Menschen, die die App eine Woche genutzt haben, signifikant motivierter und generell entspannter waren.

Crowdfunding
Umsatz
Mitarbeiter

Die Gründer wollen vor allem Unternehmen für ihre Idee begeistern. Denn die App ist zwar für den privaten Gebrauch kostenlos, für eine kommerzielle Nutzung aber sollen etwa Unternehmen zahlen. Sie würden durch die App schließlich ihre Attraktivität gegenüber Mitbewerber erhöhen, sagt Steinhart, ​„wenn sie ihre Mitarbeiter dabei unterstützen, ihre Erreichbarkeit und Work-Life-Balance selbst und besser zu gestalten“.

Für den Aufbau ihres Unternehmens startete das Quartett im Juli 2013 eine Crowdfunding-Kampagne, mindestens 13 000 Euro wollten sie so einsammeln, tatsächlich erhielten sie mehr als 17 000 Euro. Bislang läuft die App nur auf Android-Geräten, dafür aber sehr erfolgreich. Seit Oktober wurde sie mehr als 350 000 Mal abgerufen. 2014 zählte sie zu Googles 50 besten Apps im Play Store. „Mittelfristig wollen wir die Offtime-App auf allen Geräten anbieten“, sagt Dettbarn. „Der Start im Apple-Store steht kurz bevor.“