Die neue NRW-Landesregierung hat große Pläne für den Start-up-Sektor in dem Bundesland. Die Zahlen sprechen noch eine andere Sprache.

In spätestens drei Jahren soll die Gründerszene im Rheinland auf Augenhöhe mit Berlin und München sein. Dies sagte der neue nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger”. Festmachen will Pinkwart das an der Infrastruktur, an Anlaufstellen für Gründer, an der Höhe des zur Verfügung stehenden Risikokapitals – „und am Ende auch an der Zahl der Gründungen“, sagte der Minister weiter, der im schwarz-gelben Kabinett von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) für Innovation, Digitalisierung und Energie zuständig ist.

Die aktuellen Zahlen des EY-Start-up-Barometers zeigen, dass das eine ehrgeizige Aufgabe ist. Im ersten Halbjahr 2017 sanken etwa Zahl und Volumen der Finanzierungsrunden in Nordrhein-Westfalen erheblich. Mit 54 Millionen Euro lag NRW zwischen Baden-Württemberg und Hessen und weit abgeschlagen hinter den Bundesländern Berlin, Bayern und Hamburg – hier flossen in den ersten sechs Monaten des Jahres etwa 1,8 Milliarden Euro Risikokapital.

Universitäten sollen mehr Schwung verleihen

NRW solle jetzt aber das Land werden, „in dem man am einfachsten und schnellsten gründen kann“, so Pinkwart in dem Interview. Genehmigungen dauerten heute viel zu lange. Das sei in Gründungsphasen kritisch. „Wir haben schon heute moderne und innovativ arbeitende Industrieunternehmen in NRW – etwa im Maschinenbau, in der Chemie und bei den Automobilzulieferern. In der Kooperation mit der digitalen Start-up-Szene liegen große Chancen für die etablierten Player, sich weiterzuentwickeln“, so Pinkwart weiter. Bislang hatten viele der in NRW ansässigen Konzerne bereits intensiv in Start-ups investiert – häufig aber auch auf Acceleratoren und Inkubatoren in Berlin gesetzt. Zuletzt hatte der Start der vom Bund geförderten „Digital Hubs“ im Bundesland für neuen Schwung gesorgt.

Der Fokus liegt besonders auf den Hochschulstädten Aachen, Bonn, Düsseldorf und Köln. In der Pflicht sieht der FDP-Politiker beim Aufbau eines „Rheinland-Valley“ vor allem die Universitäten, gemeinsam mit namhaften privaten Investoren. „Aachen war immer schon eine Vorzeige-Universität für Entrepreneure, auch die anderen Universitäten müssen sich noch stärker engagieren“, sagte Pinkwart. Neue Professuren rund um dieses Thema sollten zukünftig für mehr Gründergeist sorgen. Anschubhilfe werde es aber auch vom Land geben: 1000 Gründer erhalten ein Jahr lang ein Stipendium über 1000 Euro im Monat.