Im ersten Teil ihres Gründertagebuchs schreibt Neumacher-Gewinnerin Anna Rojahn, wie sie Investoren für ihr Start-up Fast Forward Imaging fand und weshalb sie sich von ihrem Mitgründer trennen musste.


Wenn Anna Rojahn eine gute Idee hat, dann lässt sie sie nicht mehr los. Seit dem Jahr 2012 tüftelt die Seriengründerin an einer neuartigen Technologie, mit der sich schnell und günstig 360-Grad-Produktfotos produzieren lassen. 2013 startete sie Fast Forward Imaging und hat jetzt Neumacher 2014 gewonnen, den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb. Im Gründertagebuch berichtet die 37-Jährige, wie sich ihr Start-up entwickelt.

15. Februar 2013

Der Prototyp ist fertig – aus Holzbrettern! Heute sprechen mein Mitgründer Till und ich mit einem Investor: dem Unternehmer Sebastian Ganske. Das würde passen: Die Ganske Verlagsgruppe betreibt selbst einige Online-Handelsportale, für die unsere Technologie interessant ist.

16. April 2013

Es geht Schlag auf Schlag: Heute haben wir die Fast Forward Imaging GmbH gegründet. In einer klassischen Charlottenburger Kanzlei: hohe Decken mit Stuck, knarzendem Parkett und Kaffee, während der Notar die Unterlagen verliest. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich eine Firma gründe, aber dieses Mal hat das Ganze mehr Gravitas: Sebastian Ganske ist nämlich von Anfang mit dabei und investiert einen sechsstelligen Betrag.

22. April 2013

Ich sitze im Zug von Weimar nach Berlin – nach einem produktiven Meeting an der Bauhaus-Universität. Die Hochschule ist bereit, ihr Patent exklusiv an uns zu lizenzieren: Gegenstände vor wechselnden Farben aufzunehmen und so fehlerfrei freizustellen. Experten sprechen vom “Chroma keying” – der farbbasierten Bildfreistellung.

5. Mai 2013

Geschafft: Wir haben uns mit der Bauhaus-Universität auf die Konditionen geeinigt und dürfen das Patent exklusiv nutzen.

27. August 2013

Hummer, Kleider, Pflanzen, Notebooks: Wir haben schon alles Mögliche fotografiert. Heute besprechen wir im Team, ob wir uns auf bestimmte Kategorien fokussieren wollen, die besonders vielversprechend sind – etwa Produkte mit einem kurzen Lebenszyklus wie Mode und Accessoires.

1. September 2013

Es ist zum Verrücktwerden: Die Reaktionen auf unsere Geschäftsidee sind extrem positiv, aber die Entwicklungskosten fressen uns auf, und die Spannungen im Team nehmen zu. In den strategischen Diskussionen drehen wir uns im Kreis.

3. Oktober 2013

Nach langen Diskussionen beschließen Till und ich, als Gründer getrennte Wege zu gehen. Die Entscheidung fällt nicht leicht, aber so kann es nicht weitergehen. Wir informieren unseren Investor, der Till seine Anteile abkaufen und mir einen neuen Co-Geschäftsführer zur Seite stellen wird, damit die Firma abgesichert ist.

2. Dezember 2013

Wir gewinnen wieder Fahrt: Das Schweizer Lebensmittelunternehmen Bianchi möchte eins unserer ersten Geräte bei sich integrieren, um damit fürs Tagesgeschäft seine Lebensmittel zu fotografieren.

1. April 2014

Noch vor unserem ersten Geburtstag schließen wir eine zweite Finanzierungsrunde ab: Neben Vogel Ventures beteiligt sich der Privatinvestor Egbert Willam an unserem Start-up. Das ist für uns nicht nur in finanzieller Hinsicht ein Erfolg: Mit Vogel glaubt bereits das zweite Medienhaus an unseren Erfolg. Den Kontakt hat der Angel Investor Michael Brehm hergestellt, der mit Kaufda und Amiando schon viele Start-ups unterstützt hat.

4. August 2014

Ich treffe mich mit Emanuel, einem Vertriebsprofi. Seit zwei Monaten schult er mich – das hilft mir, Frust im Umgang mit dem einen oder anderen Geschäftskunden zu verkraften: dass Abschlüsse lange dauern, ständig ein wichtiger Ansprechpartner die Position wechselt oder sich im Urlaub befindet.

12. September 2014

Ich treffe einen namhaften Investor aus den USA. Wir haben zwar noch keine US-Pläne, aber es hilft, Netzwerke früh aufzubauen – man weiß ja nie!

18. September 2014

Studio-Shooting für ein namhaftes Münchner Modelabel: Der Art Director und seine Assistentin finden unseren eigenwilligen Mix aus Studio, Büro und Werkstatt als Kontrast zu ihrem durchgestylten Office offenbar cool. Trotzdem freue ich mich darauf, zum Jahresende in einen vorzeigbareren Standort umzuziehen – je mehr etablierte Kunden auf uns aufmerksam werden, desto wichtiger wird es für uns, uns auch repräsentativ darzustellen.

2. Oktober 2014

Unser Gesellschafter-Lunch steht an: Seit unserer zweiten Finanzierungsrunde im April organisiere ich diese Treffen jedes Quartal, um meinen Gesellschaftern die Gelegenheit zum Austausch zu geben. Nach dem Essen trinken wir in unserem Studio einen Kaffee und schauen uns die neuesten Entwicklungen an. Der strategische Input meiner Investoren und Beiräte hilft mir dabei, unsere alltäglichen Herausforderungen mit anderen Augen zu sehen.

11. November 2014

Diese Woche bin ich beim StartmeupHK-Programm in Hongkong. Als eines von sechs Unternehmen, die aus über 550 Bewerbungen ausgewählt worden sind, stelle ich Fast Forward Imaging vor. Die Präsentation läuft gut, aber mir schlottern die Knie – im Publikum sitzen 700 geladene Gäste! Die Reise hilft mir, erste Kontakte vor Ort zu knüpfen. Ich bin mir sicher, dass unsere Technologie einen gewaltigen Mehrwert bieten kann, wenn sie bereits in der Produktentwicklung und Bemusterung eingesetzt wird – und insbesondere China ist dafür natürlich ein extrem spannendes Pflaster.

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