Das Berliner Fintech wirbt 130 Millionen Euro ein – unter den Geldgebern sind der Münchner Versicherer Allianz und der chinesische Internetkonzern Tencent.

Gerüchte gab es schon in den vergangenen Wochen, nun ist es offiziell bestätigt: N26 hat eine neue Finanzierungsrunde mit Rekordvolumen abgeschlossen. Wie die Smartphone-Bank heute in Berlin mitteilte, kamen dabei 130 Millionen Euro zusammen. Neue Geldgeber sind der Münchner Versicherer Allianz und der chinesische Internetkonzern Tencent, der unter anderem den populären Messengerdienst Wechat betreibt. Seit der Gründung 2013 hat N26 rund 174 Millionen Euro eingeworben.

Die aktuelle Finanzierungsrunde ist die größte auf dem Fintechsektor in Deutschland. Bisheriger Rekordhalter war Kreditech. Das Hamburger Start-up, das Mikro- und Ratenkredite auf Basis einer eigenen Scoring-Technik vergibt, hatte im September 110 Millionen Euro erhalten. Aufsehen erregt hatte Anfang März zudem die Banken-Plattform Solarisbank mit einer Finanzierung über 56,6 Millionen Euro.

N26 ist seit Januar 2015 mit einem Girokonto, das online eröffnet wird und per Smartphone-App verwaltet wird, auf dem Markt. Die Berliner hatten zu Beginn auf eine Kooperation mit dem Anbieter Wirecard gesetzt, seit Sommer 2016 ist das Unternehmen in Besitz einer eigenen Vollbanklizenz. Eigenen Angaben zufolge hat N26 mehr als 850.000 Kunden in Europa gewonnen.

Ambitionierte Wachstumsziele

Mit den neuen Geldgebern im Rücken will N26 seinen Wachstumskurs fortsetzen. Die Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal haben als Ziel vorgegeben, bis Ende 2020 die Zahl der Kunden auf fünf Millionen zu steigern. Derzeit ist N26 mit mehr als 380 Mitarbeitern in 17 Ländern aktiv und hatte im Herbst seine Expansion in die USA bekanntgegeben. Auch in Großbritannien will die Bank in den kommenden Monat starten. Dort sitzt mit Revolut der größte Wettberwerber in Europa. Das britische Fintech ist im vergangenen Jahr auch in Deutschland gestartet und zählt weltweit aktuell über 1,5 Millionen Kunden.

Die neuen Investoren sehen offenbar dennoch das Berliner Start-up im Vorteil. Man strebe „eine langfristige Partnerschaft“ an, hieß es bei Tencent. „N26 ist ganz klar Vorreiter im Mobile Banking”, sagte Solmaz Altin, Chief Digital Officer der Allianz Gruppe. Der Versicherer hatte kürzlich erst sein Start-up-Engagement neu geordnet. Gestartet war der Ableger Allianz X ursprünglich als Company Builder, versteht sich nun aber als „strategische Investmentgesellschaft“.

N26 und die Allianz arbeiten bereits seit längerer Zeit zusammen, um den Bankkunden bei der kostenpflichtigen Version des Girokontos eine Reiseversicherung anzubieten. Ähnliche Kooperationen unterhält das Start-up auch mit anderen Unternehmen. So arbeitet N26 im Bereich Versicherungen seit Juni auch mit dem Robo-Advisor Clark zusammen. Für Fremdwährungsüberweisungen gibt es eine Kooperation mit Transferwire, Sparpläne werden über Weltsparen vermittelt, Verbraucherkredite mithilfe von Auxmoney.