Zwei Studenten gründen eine Umzugsfirma. Dank ausgeklügelter Algorithmen boomt das Geschäft. Bald will Movinga in die USA.

Von Christian Schlesiger

Dieses Mal hat das Team „One Factory“ gewonnen. Jede Woche prämiert das Unternehmen Movinga die Gruppe der Verkäufer, die den meisten Umsatz erzielt haben. Die anderen Teams heißen beispielsweise „Born to win“ und „Team Alpha“. Sie bestehen jeweils aus rund einem halben Dutzend Mitarbeitern. Auf dem Tisch der „One Factory“ steht der Sieger-Pott der letzten Woche, darüber hängt eine Tafel. Darauf steht das Vertriebsziel für die kommenden sieben Tage: 80 000 Euro.

Es läuft gut bei Movinga, dem Umzugshelfer aus Berlin. Das Unternehmen organisiert Umzüge durch Deutschland und Europa. 320 Mitarbeiter sitzen über drei Etagen verteilt in einem ehemaligen Umspannwerk in Berlin Prenzlauer Berg. Das durchschnittliche Alter der Beschäftigten liegt bei Mitte 20. Im ersten Geschäftsjahr setzte das Unternehmen geschätzt einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag um.

Gerade stieg der europäische Vorzeige-Kapitalgeber Index Ventures mit 25 Millionen Euro ein. Insgesamt konnte Movinga im ersten Jahr bereits rund 35 Millionen Euro Wagniskapitel einwerben, zu den Investoren gehören auch Earlybird und der Rocket-Fonds Global Founders Capital. Hinzu kommen bekannte Business Angels wie Florian Heinemann, Christian Vollmann oder Philipp Kreibohm.

Können Studenten richtig anpacken?

Movinga ist ein Shootingstar der deutschen Gründerszene, bei Deutsche-Startups wurde es zum Start-up des Jahres 2015 gekürt. Dabei sah es anfangs nicht danach aus. Vor einem Jahr gründeten Bastian Knutzen, 23, und Chris Maslowski, 24, ein Umzugs-Unternehmen in Vallendar bei Koblenz. Eigentlich wollten sie Studenten als Packer vermitteln und mit eigenen Lastwagen Möbel transportieren. Doch die ursprüngliche Idee floppte. „Wir dachten anfangs, die Kunden würden gerne Akademiker als Umzugshelfer engagieren, weil sie verlässlicher wirken“, sagt Knutzen. „Doch viele Kunden trauten den Studenten gar nicht zu, richtig anpacken zu können“.

Knutzen und Maslowski veränderten ihr Geschäftsmodell. Noch immer besitzen sie 45 eigene Lastwagen. Doch im Kern greifen sie auf freie Ladeflächen anderer Umzugsunternehmen zu. Movinga nutzt die Besonderheiten des Marktes. Die Umzugsbranche besteht nämlich vor allem aus kleinen Buden, meist mit einer Flotte von weniger als zehn Lastwagen. Kein Betrieb kommt auf einen Marktanteil von mehr als einem Prozent. „Wir haben gemerkt, dass es erhebliche Überkapazitäten im Markt gibt“, so Knutzen. Viele Transportfirmen fahren mit einer vollen Ladung etwa von Köln nach Berlin, um dann wieder leer zurück zu fahren. Die Kosten legen sie dann auf den Auftraggeber um.

„Wir sind der Flixbus der Umzugsbranche“

Für die Movinga-Jungs war klar: Es geht auch günstiger. Dafür müssten die Lastwagen voll hin- und voll wieder zurückfahren und auch zwischendrin Möbel und Transportstücke aufnehmen. Maslowski, der schon als 13-Jähriger Computerprogramme schrieb, programmierte eine Software mit einem Algorithmus, der die schnellsten und effizientesten Routen ermittelt und ein optimales Netzwerk von Umzugstouren errechnet. Jetzt greifen die Gründer vor allem auf freie Ladekapazitäten traditioneller Umzugsfirmen zurück. „Wir lasten die Kapazitäten besser aus – eine Win-Win-Situation für alle“, so Knutzen.