Das Spin-off der Universität Maastricht züchtet Rindfleisch in Bioreaktoren. Die neue Finanzspritze soll helfen, die Serienproduktion vorzubereiten.

Vom Labor auf den Teller: Ein Spin-off der Universität Maastricht züchtet Rindergewebe aus Stammzellen von Kühen, etwa für Burger. Das „kultivierte Fleisch“, so verspricht Mosa Meat, reicht geschmacklich an traditionell hergestelltes Fleisch heran – ist aber wesentlich umweltfreundlicher und kommt ohne Massentierhaltung aus. Gegründet 2013, vermeldet das Unternehmen nun einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Serienproduktion. 7,5 Millionen Euro wurden bei einer Series-A-Finanzierungsrunde eingesammelt, gab Mosa Meat gestern bekannt.

Unter den Lead-Investoren war demnach M Ventures, der Wagniskapitalarm des Darmstädter Chemie- und Pharmakonzerns Merck. Beteiligt war zudem der Schweizer Fleischverarbeiter Bell Food, dem Marken wie Bell, Hilcona, Eisberg und Hügli gehören. Unter den weiteren Geldgebern war Glass Wall Syndicate. Die Investorengruppe unterstützt gezielt Start-ups, die sich mit einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion befassen. Zu den früheren Investoren zählt Google-Gründer Sergey Brin.

Die Kapitalspritze will Mosa Meat nutzen, um die Serienproduktion vorzubereiten. Ziel des Start-ups ist ein Marktstart im Jahr 2021 – dazu soll nun eine Pilotproduktionsanlage gebaut werden. CEO Peter Verstrate hofft zudem auf Know-how der Investoren: So sei M Ventures „perfekte Türöffner zu Mercks umfassender Erfahrung beim Kultivieren von Zellen.“ Aktuell machten die Zellmedien, aus denen das Fleisch gezüchtet wird, 80 Prozent der Kosten für kultiviertes Fleisch aus. Vom Neugesellschafter Bell Food wiederum verspricht sich Verstrate Unterstützung beim Vertrieb.

Weltweiter Fleischkonsum steigt stark an

Das Marktpotenzial für das Start-up ist riesig: Der weltweite Fleischkonsum zeigt steil nach oben – und die Probleme der aktuellen Massentierhaltung werden immer deutlicher. Nach UN-Angaben resultieren bereits heute knapp 15 Prozent der Treibhausgase aus der Tierhaltung. Auch der Flächenbedarf ist enorm. Die Tierhaltung beansprucht weltweit ein Viertel des eisfreien Lands.

An „kultuviertem Fleisch„ – auch „In-Vitro-Fleisch„ genannt – versucht sich aktuell nicht nur Mesa Meat. Auch Supermeat aus Israel will in drei Jahren mit der Produktion starten. Das Start-up aus Israel hatte Anfang des Jahre drei Millionen Dollar eingesammelt, unter anderem vom deutschen Geflügelfleischunternehmen Wiesenhof. In den USA prescht indes Impossible Foods vor – mit rein pflanzlichen Burgern. Bei der letzten Finanzierungsrunde im April kamen satte 114 Millionen Dollar zusammen.