Das Start-up verschob die Fertigstellung des Produktes gerade noch einmal nach hinten. Investoren stecken dennoch neun Millionen Euro in die Firma.

Kartusche wechseln statt Flaschen schleppen: Das Start-up Mitte sammelt umgerechnet neun Millionen Euro von Investoren ein. Das in Berlin ansässige Unternehmen arbeitet an einem System, das Leitungswasser von Schadstoffen befreien soll und mit dem gewünschten Grad an Mineralien aufbereiten soll. Im Aufbau erinnert das Produkt damit an Sodastream – der israelische Hersteller von Trinkwassersprudlern soll aktuell für einen Milliardenbetrag von Pepsico übernommen werden.

Teile des Geldes für das 2016 gegründete Start-up Mitte stammen jetzt von Konzernen, die auf sehr unterschiedliche Art viel Geld mit Wasser verdienen: Zum einen beteiligt sich mit Danone Manifesto Ventures der Investment-Arm des weltweit tätigen Nahrungsmittelkonzerns, der wegen seines Wasser-Geschäfts immer wieder heftig in der Kritik steht. Zum anderen fließt Geld von Kärcher Ventures – der deutsche Konzern setzt jedes Jahr 2,5 Milliarden Euro mit dem Verkauf von Hochdruckreinigern um. Daneben investiert auch der in Singapur ansässige Risikokapitalgeber VisVires New Protein, der sich auf die Lebensmittelbranche konzentriert.

Die aktuelle Investmentrunde wird trotz der hohen Millionensumme vom Start-up als Anschubfinanzierung ausgewiesen – weil tatsächliche Umsätze mit dem Wasseraufbereitet noch nicht nachgewiesen werden können. Die Investoren stecken viel Kapital in ein Produkt, welches noch nicht auf dem Markt ist.

Verzögerungen bei der Produktion

Mitte Juli kündigte das Start-up auf der Seite seiner Kickstarter-Kampagne an, die Auslieferung noch einmal bis Juni 2019 zu verschieben. Grund seien Probleme mit der gewünschten Aufbereitung des Wassers – laut Mitte führte die bisherige Version noch dazu, dass das aufbereitete Wasser zu wenige Mineralien und einen zu hohen ph-Wert aufwies. „Wir entschuldigen uns dafür, dass wir den Prozess der Mineralisierung nicht von Beginn an unter Kontrolle hatten“, heißt es auf der Seite.

Die Kickstarter-Kampagne hatte im Jahr 2017 über 270.000 Dollar eingebracht und war nach Angaben des Start-ups mit 360 Prozent überfinanziert. Ein Blick in die Kommentare zeigt, dass einige der damaligen Unterstützer Verständnis für die technischen Schwierigkeiten mitbringen – einige andere jedoch in den letzten Wochen auch ihren Finanzierungsbetrag zurückgezogen haben.

Mit den neuen Investoren im Rücken soll das Produkt im kommenden Jahr zuerst in den Vereinigten Staaten auf den Markt gebracht werden. „Dank der großen Food- und Beverage-Expertise unserer neuen Partner werden wir die Wachstumspläne für Mitte noch wirksamer umsetzen können“, sagt Gründer Moritz Waldstein. Es sei seine „bahnbrechende Lösung zur Herstellung von gesundem Wasser und eine nachhaltige Alternative zu Plastikflaschen“, lobt Neu-Investor Matthieu Vermersch das Produkt.