Manchmal braucht es nicht viel, um eine spontane Idee weiterzuentwickeln. Beim Hackathon unter dem Motto Mission Economy passierte genau das.

Von Kerstin Dämon und Stephan Happel

„Gott sei Dank, jetzt bringt mich meine Frau nicht um.“ Breites Grinsen auf dem Gesicht eines der Preisträger des ersten Hackathons von WirtschaftsWoche und Handelsblatt. Zweieinhalb Tage blieb der Entwickler der Familie fern. Von früh bis spät arbeitete er mit seinem Team an einer Idee, die als spontaner Einfall begann.

Mit einem Chatbot, der Redaktion und Leser näher zusammenbringen soll, hat das Team „Unaite“ beim Hackathon unter dem Motto #missioneconomy den Gesamtpreis gewonnen. Die künstliche Intelligenz kann unterhalb von Artikeln, dem Leser weitere Informationen anbieten, sie soll Leserfragen beantworten und gleichzeitig den Autor des Artikels darüber informieren, was den Leser interessiert.

Für das sechsköpfige Team aus Entwicklern und Journalisten besonders erfreulich: Gabor Steingart, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Handelsblatt, will den Chatbot für Handelsblatt und WirtschaftsWoche tatsächlich umsetzen.

Auch das Team Build your own offshore-company – Preisträger „Bester Pitch“ – soll sein Projekt in Kürze der WirtschaftsWoche-Redaktion vorstellen. Das Team hat aus den Daten von Panama-Papers Grundmerkmale herausgefiltert, die eine Offshore-Firma ausmachen und anhand dessen einen nicht ganz ernst gemeinten Ratgeber entwickelt, wie man seine eigene Briefkastenfirma aufmacht, wo und mit Hilfe welcher Bank. So könnte WirtschaftsWoche-Chefredakteurin Miriam Meckel ihre persönliche Offshore-Briefkastenfirma – anhand eines Namensgenerators – „Bright Enterprise Construction GmbH“ nennen – ausgehend von ihrem Geburtsdatum und den Anfangsbuchstaben ihres Vor- und Nachnamens.

Alle Preisträger

Best Pitch: Build your own Offshore-Company- wirtschaftliche Skandale aufbereiten mit einem Augenzwinkern

CoreMedia: Unaite – Chatbot, der Leser und Redakteur zusammen bringt

BEST VR: Comic News- ein Tool, das aus Texten Gifs kreiert

Best of Innovation: GridX- eine Plattform, die Stromkunden mit einem Batteriespeicher und Stromanbieter miteinander vernetzt

Verlagspreis: Funvestment – eine Gamification-App für 20- bis 35-Jährige, die sich für das Thema Geldanlage interessieren

Best of All : Unaite – Chatbot, der Leser und Redakteur zusammen bringt

Die Ergebnisse zeigen: Das Experiment der Verlagsgruppe Handelsblatt, Gründer, Marketingexperten, Designer, Programmierer, Animationsexperten, Filmemacher und Journalisten  zusammenzubringen, hat sich gelohnt.

Zweieinhalb Tage lang tickten die Uhren im Medienhaus anders. Von morgens bis spät in die Nacht hinein – manchmal sogar ganz ohne Schlaf – arbeiteten rund 80 völlig verschiedene Menschen an Projekten zusammen, die es so noch gar nicht gibt. „Wer heute oder morgen durchs Verlagsgebäude streift, wird auf viele in sich oder ein Team versunkene Nerds und Geeks treffen“, warnte Meckel ihre Kollegen schon im Vorfeld.

Die Hackathon-Teilnehmer stellten dutzende Ideen vor : Vom Tool, das Geschichten anhand der Leser-Interessen erzählt, bis zum Projektplanungs-Tool über eine Plattform auf der sich User Meinungen anderer zu verschiedenen Themen einholen können. Manche Ideen endeten noch in der Konzeptionsphase, andere wurden vor der Jury aus Medienmachern, ITlern und Unternehmern präsentiert – und von ihnen bewertet.

Was das bringt?

Auf Unternehmensseite scheint die Sache klar zu sein: Anstatt ein Projekt auszuschreiben, kommen kreative Köpfe ins Haus und tüfteln freiwillig bis spät in die Nacht an Lösungen. Und das Ganze für Pizza, Getränke und Sachpreise. Könnte man meinen. „Wenn man sagt: Wir haben da ein Problem und lassen das von Hackern lösen, ist das kein Hackathon, das nennt man einen Auftrag“, sagt Léa Steinacker, Digitalscout der Verlagsgruppe Handelsblatt. “Ziel eines Hackathons ist nicht wie bei einem direkten Auftrag sofort ein fertiges Produkt zu präsentieren, das alle Probleme löst, sondern durch Gedankenaustausch und kreative Teamwork einander zu inspirieren. Es geht darum, zu erleben, wie interdisziplinäre Teams aus Entwicklern, Designern, Conceptern und Redakteuren mit wenig Schlaf und viel Arbeit und Begeisterung binnen kurzer Zeit innovative Ideenansätze auszuprobieren.“ Und genau das ist an diesem Wochenende in Düsseldorf passiert. „Die Erwartungen haben sich vollständig erfüllt“, sagt Steinacker. Und laut Steingart wird es auch nicht der letzte Hackathon der Verlagsgruppe gewesen sein.