Der Gründer wird zum Star, der Autogramme schreibt und sich ablichten lässt. Das ist gefährlich und hilft jungen Gründern wenig.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, mit dem Thema, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen und mit anderen Kuriositäten der Start-up-Szene.  Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt Meike Haagmans über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventours und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

Von Meike Haagmans

Dass ich die Start-up Branche gern mal als Show bezeichne und Berlin als passende Bühne dazu definiere, wissen meine Leser. Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich zu Übertreibungen neige und auch gerne subjektiv aus der Sicht einer nebenberuflichen Gründerin berichte. Und doch gibt es Momente, in denen ich mich bestätigt fühle. So auch wieder vergangene Woche. Ich war auf einem Start-up Event. Viele potenzielle Gründer treffen auf ein paar wenige von den Großen. Die, die es geschafft haben. Die mit den vielen Mitarbeitern, die mit den großen Finanzierungsrunden und die mit den guten Pressemitarbeitern.

Interessant ist, dass sich alle Veranstaltungen dieser Art sehr ähneln: Die Großen sitzen oben auf den Bühnen und berichten –  die Kleinen in Massen davor und notieren hochmotiviert alles Wissenswerte. Und dann beginnt der Wettlauf: Wer es schafft, die Aufmerksamkeit eines Großen zu gewinnen, liegt vorne. Noch bevor die Protagonisten die Bühne verlassen haben, werden ihnen schon Visitenkarten in die Hände gedrückt und es wird zu Minipitches angesetzt. Selfies sind an der Tagesordnung und sogar Autogramm-Anfragen kommen inzwischen manchmal vor. Der Gründer wird zum Star. Und nicht selten nimmt der Kult um eben diesen Star Ausmaße an, die eher  in der Unterhaltungsindustrie als in der freien Wirtschaft bekannt sind.

Warum aber entwickelt sich in der Start-up Szene ein solcher Hype ausgehend von der nächsten Gründergeneration? Natürlich kann man von erfahrenen Menschen viel lernen. Was aber bewegt junge Gründer, die sich zutrauen eine eigene Firma aufzubauen und zu führen, Menschen als Unternehmer zu bewundern, ohne jemals mit ihnen gearbeitet zu haben? Beruht die Anerkennung auf medialer Präsenz? Und mutieren erfolgreiche Vorzeige-Unternehmer automatisch zu Vorbild-Unternehmern?

Nein. Ich denke, während der Hype um Vorbild-Unternehmer falsche Erwartungen entstehen lässt, sind Vorbilder absolut elementar in der Gründungsphase. Vorbilder motivieren; sie unterstützen und begleiten. Manchmal wissentlich, in der Regel jedoch unwissentlich. Vorbilder sind für mich Menschen und/oder Unternehmer, die etwas erreicht haben, aber dennoch erreichbar sind. Es sind Menschen, die mein Tun gleichzeitig bestätigen, aber auch hinterfragen. Es sind Personen, mit denen ich mich identifizieren kann und an deren Schritten ich mich orientieren kann. Vorbilder zeigen mir, dass Ziele erreichbar sind. Denn sie haben ihre Ziele erreicht.

Mein persönliches Vorbild ist Jasmin Taylor, Gründerin von JT Touristik. Wir haben uns weder auf noch vor einer Bühne kennengelernt, sondern bei einem kleinem Branchen Netzwerk-Abend. Was Taylor für mich zum Vorbild macht, ist absolut konträr zum aktuellen Gründungstrend. Sie hat es in sieben Jahren durch ständige Neugier, Lust auf Entfaltung, Brennen für ihre Geschäftsidee und unerschöpflichen Ideenreichtum geschafft, JT Touristik zu einem der führenden Reiseveranstalter in Deutschland aufzubauen. Ohne Fremdkapital und ohne Gründungsteam, anfangs nur mit einem Schreibtisch und einem PC. Auf meine Frage, weshalb es kein Laptop war, antwortete Taylor, dass dieser zu teuer gewesen sei. Bei der Firmierung hat sie die Initialen ihres Namens gewählt und signalisiert mit diesem Commitment alles andere als einen schnellen Exit.

Es ist unfassbar motivierend zu wissen, dass Taylor für mich inzwischen nicht mehr unerreichbar ist. Zu verdanken habe ich das natürlich vor allem der Entwicklung von meinem Start-up und der wachsenden Bekanntheit in der Tourismus Branche. Schlussendlich aber auch durch Taylor selbst, die mich täglich (und die längste Zeit absolut unwissend) mit ihrer Gründergeschichte motiviert und begleitet.

Letztlich muss jeder Gründer sein eigenes passendes Vorbild definieren. Allerdings denke ich, dass wir viel öfter Menschen wie Jasmin Taylor als Vorbild sehen sollten, denn bewundern wir nur Verwalter von Fremdkapital, sollten wir lieber in den Bankverband eintreten, als uns auf Startup Events zu tummeln.