Das Berliner Start-up erhält eine siebenstellige Summe von Axa und Rheingau Founders. Mit dem Kapital will Medlanes seine Plattform attraktiver für Patienten machen.

Das Gesundheits-Start-up Medlanes verkündet seine zweite Finanzierungsrunde. Nachdem die Onlineplattform 2014 bereits 250.000 Euro von Rheingau Founders einsammeln konnte, erhält sie nun eine siebenstellige Summe. Führender Geldgeber ist Axa Strategic Ventures, Investitionsarm der französischen Versicherung, zudem investierte Rheingau Founders erneut.

Das 2014 gegründete Unternehmen bietet eine Art digitale Gesundheitsberatung an. Auf der Plattform können Patienten ihre Symptome beschreiben und von einem der 200 bis 300 Ärzte eine fachgerechte Meinung erhalten. Die Basisversion ist kostenlos, für eine ausführlichere Antwort von einem Spezialisten werden bis zu 40 Euro fällig. Mit seinem Ansatz bringe Medlanes die Medizin online, lässt sich Minh Q. Tran, Partner bei Axa Strategic Ventures, in einer Mitteilung zitieren.

Ein Manko des Geschäftsmodells: Die Ärzte dürfen aus rechtlichen Gründen keine Diagnose online stellen. In der Ärzteberufsordnung von 2011 heißt es, die Mediziner dürften „individuelle ärztliche Behandlung, insbesondere auch Beratung, nicht ausschließlich über Print- und Kommunikationsmedien durchführen“. Auch bei telemedizinischen Verfahren sei sicherzustellen, dass ein Arzt den Patienten „unmittelbar“ behandele.

Medlanes statt Google?

Mit dem frischen Kapital wollen die Gründer Emil Kendziorra und Erik Stoffregen die Leistungen nun verbessern. „Wir wollen in Ballungsräumen künftig auch Arzttermine vermitteln“, sagt Kendziorra im Gespräch mit WiWo Gründer. Die Patienten sollen künftig nicht nur eine Beratung bekommen, sondern auch Hausbesuche eines Doktors buchen können. Nach der Behandlung könne der Nutzer digital weiter beraten werden, so der gelernte Arzt. Dadurch verknüpfe man online und offline.

Gleichzeitig will er auch die Kosten für die Patienten minimieren. „Wir streben weitere Kooperationen mit Krankenkassen an“, so der 31-Jährige. Die privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten, die Medlanes in Rechnung stellt, demnach schon teilweise. Wer gesetzlich versichert ist, muss bislang hingegen selbst zahlen. Deutschland habe ein „komplexes System“, so Kendziorra. Abgesehen von Medikamenten zahle der Patient nicht selber, dadurch gebe es hierzulande eine „Vollkasko-Mentalität“. Für junge Unternehmen im Bereich digitale Gesundheit wäre es deutlich einfacher, wenn die Patienten gewohnt seien zu bezahlen, so der Gründer. Mit Kooperationen mit Krankenkassen soll die Plattform attraktiver werden.

Das Angebot von Medlanes soll bis spätestens Ende 2016 auch in Frankreich und Großbritannien verfügbar sein. Zudem will das Start-up seine Plattform weiter verbessern sowie künftig auch eine Beratung per App anbieten. Die Ziele des jungen Unternehmens sind ambitioniert: „Wir wollen einen leichten Zugang zur qualifizierten Medizinern bieten“, sagt Gründer Kendziorra. Statt zu googeln und sich in Foren mit Halbwissen auszutauschen, sollen Patienten in fünf Jahren Medlanes ansteuern, so die Vision.