Das Berliner Start-up Medigo vernetzt Patienten mit Kliniken auf der ganzen Welt, um Behandlungskosten transparenter zu machen. Aber nicht immer geht es Medizintouristen ums Geld.

Von Eva Mühle

Als Pawel Cebula mit fiesen Zahnschmerzen in China zu einer Wurzelbehandlung musste, entstand seine Geschäftsidee. „Alles, was ich wollte, war eine gute Praxis mit einem Arzt, der Englisch spricht, und eine Kostenübersicht“, erinnert er sich. Zwar ging am Ende alles gut, die spärlichen Informationen im Internet erschwerten die Suche aber. „Hätte es Medigo schon damals gegeben, hätte ich mich direkt mit einem passenden Zahnarzt verbinden können.“

Transparenz in der globalen Medizinversorgung – genau das ist das Ziel des Berliner Start-ups. Zudem vermittelt Medigo Medizintouristen. Seit knapp zwei Jahren kann jeder, der sich für eine Behandlung im Ausland interessiert, nach passenden Angeboten auf der Webseite suchen. Rund 14 500 Nutzer aus 178 Ländern sind so schon fündig geworden.

Oft geht es ums Geld. So reisen viele Australier für eine Zahnbehandlung nach Thailand und deutsche Frauen für eine Brustvergrößerung nach Polen. Im Schnitt könne man so bis zu 50 Prozent der Kosten sparen, behauptet Medigo.

Doch in vielen Fällen ist weniger der Preis ausschlaggebend für die Medizintouristen. Oft verleiten lange Wartezeiten oder eine unzureichende Expertise in der Heimat zum Reisen. „Gerade russische und arabische Patienten zieht es bei komplexeren Behandlungen ins Ausland“, sagt Jan Schaefer, Chief Medical Officer bei Medigo. Deutschland ist für diese Patienten ein beliebtes Ziel. Das bestätigt eine Studie von Berlin Partner: Demnach kommen im Jahr etwa 240 000 Patienten aus dem Ausland zu Behandlungen nach Deutschland. Andersherum ist der Weg selten – zumindest bei Medigo. Nur fünf Prozent der vermittelten Patienten sind Deutsche.

Wer sich über Medigo ein Kostenangebot einholen will, für den ist die Nutzung erstmal kostenlos. Sollen mehrere Angebote verglichen werden oder ist zusätzliche Hilfe bei der Koordinierung der Reise wie zum Beispiel die Buchung eines Fluges, einer Unterkunft oder eines Übersetzers gewünscht, fallen Kosten ab 199 Euro an.

Die rund 500 Kliniken, aus denen Nutzer auf der Webseite auswählen können, verfügen laut Medigo über internationale Akkreditierungen, Erfahrung im Umgang mit ausländischen Patienten und sehr gute Bewertungen der Behandelten. Oft fehle es den Kliniken weltweit aber an Know-How, ihre Expertise online und in den sozialen Medien transparent zu bewerben. Hier setzt das Berliner Start-up an und übernimmt eine Marketingkampagne für die jeweilige Einrichtung. Dass Medigo für das Vermitteln von Patienten Geld bekomme, verneinen die Macher. Ebenso würde keine Klinik bevorzugt angepriesen. „Wir bieten Interessierten lediglich eine Möglichkeit, online Angebote zu vergleichen“, so Schäfer.

Neben Privatpersonen nutzen vor allem Versicherungen und große Arbeitgeber im arabischen und asiatischen Raum den Medigo-Service, wenn eine Auslandsbehandlung von Kunden oder Angestellten nötig wird. „Das Marktpotenzial im Bereich E-Health und Medizintourismus ist riesig“, erklärt Schaefer. Das Geschäft laufe gut, konkrete Umsatzzahlen wollten die Verantwortlichen aber nicht nennen. Nur so viel: Nach Außenbüros in Dubai und Sydney soll die Expansion weiter vorangetrieben werden. Geplant ist ein Standort in den USA.

Frisches Kapital dafür haben die Berliner. Erst vor wenigen Wochen konnten sie die chinesische Investmentplattform CL Investment Group mit an Bord holen, die sich mit 3,5 Millionen Dollar am Start-up beteiligt hat. Auch Angebote in China sollen künftig endlich entwickelt werden – denn wenn Cebula wieder Zahnschmerzen in China hat, kann ihm auch Medigo derzeit noch nicht weiterhelfen.

Steckbrief

Medigo

Gründer: Ugur Samut, Ieva Soblickaite, Pawel Cebula

Gründung: November 2013, Webseiten-Launch März 2014

Sitz: Berlin, Büros in Dubai und Sydney

Mitarbeiter: 50

Geschäft: Online-Plattform für Medizintourismus, rund 500 Krankenhäuser in 24 Ländern

Nutzer: Circa 15 000 – davon fünf Prozent Deutsche

Finanzierung: zehn Millionen Dollar unter anderem durch Beteiligung von CL Global Healthcare, Atlantic Internet und Accel Partners