Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche treten heute die Gründer von Mecuris, darunter Simon Weidert, Wolf-Peter Werner, Felix Grundlack und Manuel Opitz, an. Sie produzieren Prothesen im 3D-Drucker. Wie urteilt Investor Frank Thelen?

Eine halbe Minute mit Investor Frank Thelen im Fahrstuhl: Wie lautet euer Elevator Pitch?
Mittels 3-D-Druck und Spezialsoftware schneidern wir Schienen und Prothesen für Menschen weltweit  auf Maß. Dazu arbeiten wir mit zwei 3-D-Druckzentren in Deutschland zusammen und bauen gerade ein Netz in den USA, Südamerika und Asien auf. Unsere Prothesen sind aus Hochleistungskunststoff. Und wir haben Paralympics-Athleten als Kunden. Und wir können als weltweit Einzige Fußprothesen für kleine Kinder drucken. Bisher gibt’s für sie nur Holzbeine wie im 19. Jahrhundert.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Simon ist Unfallchirurg an der Münchner Uniklinik. Er hatte Probleme, passende Schienen für Patienten zu finden und experimentierte mit 3-D-Druck. Unser Mitgründer Jannis hatte schon 2007 am Fraunhofer-Institut in Stuttgart die weltweit erste 3-D-Druck-Oberschenkelprothese hergestellt.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Unsere Prothesen sind ein Medizinprodukt, so zahlt die Krankenkasse. Und in Schwellen- und Entwicklungsländern haben laut Weltgesundheitsorganisation neun von zehn Menschen keinen Zugang zu Prothesen und Schienen, oft weil es dort an Fachkräften mangelt – das ist ein Riesenmarkt.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) …Wir gestalten die Produkte gemeinsam mit Kunden und wollen höchste Qualität made in Germany liefern.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Rund 40 Prozent unserer Mitarbeiter haben keinen deutschen Pass. Zudem sind wir mit sechs  männlichen Gründern gestartet, haben aber heute 30 Prozent Frauen im Team.

Was war euer größter Rückschlag?
Wir haben bei einem komplexen Projekt doppelt so lange gebraucht wie gedacht. Jetzt planen wir mehr Zeit ein.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann sind wir weltweit führend, orthopädische Hilfen binnen 24 Stunden zu liefern. Und dank sinkender Kosten können wir das auch bei Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Fakten zum Start-up

Gründung: 2016
Kunden: 183 registrierte Sanitätshäuser aus mehr als 30 Ländern
Finanzierung: Wagniskapital
Mitarbeiter: 30

Würde der Profi investieren?

Idee: 4/5
Geschäftsmodell: 3/5
Timing: 5/5

Urteil: „Mecuris hat genau den richtigen Zeitpunkt erwischt, da 3-D-Drucktechnologie gerade erfolgreich  kommerzialisiert wird. Ich denke, Mecuris wird in den nächsten Jahren großen Mehrwert schaffen.“
Frank Thelen, Gründer der Wagniskapitalfirma Freigeist, einstiger Investor bei MyTaxi und Wunderlist