Das Berliner Start-up hat bisher 200 Campingplätze von seiner Lösung überzeugt – die Reichweite steigt nun deutlich. Mächtige Konkurrenz droht vom ADAC.

Eine Buchungsplattform für Campingplätze in Europa schaffen: Daran arbeitet Max Camping. Bereits jetzt sind Stell- und Zeltplätze auf knapp 200 deutschen Campingplätzen über die Homepage und per App buchbar. Gegründet 2015, meldet das Berliner Start-up nun einen Meilenstein, mit dem sich die Reichweite der Plattform um ein Vielfaches erhöhen wird: Gründer Maximilian Möhrle will das bisher vom Österreicher Erwin Oberascher betriebene Portal Camping.info übernehmen – und mit dem Angebot seines Start-ups zusammenführen. Das bestätigte Möhrle im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. In der Pressemitteilung der Unternehmen ist nur von einer „weitreichenden Partnerschaft“ die Rede.

Camping.info gilt als eine der wichtigsten Anlaufstellen für europäische Campingurlauber im Internet und verzeichnet eigenen Angaben zufolge jährlich rund 14 Millionen Visits. Künftig sollen Nutzer des Informations- und Bewertungsportals auch direkt Stellplätze online buchen können. Ob Max Camping als eigenes Buchungsportal dauerhaft parallel weiterbetrieben werde, sei noch unklar, sagte Möhrle. „Der Fokus liegt erst einmal darauf, Camping.info auszubauen.“ Die in die Jahre gekommene Webseite solle auch optisch modernisiert werden.

Es spricht einiges dafür, dass Möhrle Max Camping künftig vor allem als technische Plattform positioniert. Schon jetzt können Campingplatzbetreiber über das IT-System, das Schnittstellen zu gängigen Verwaltungsprogrammen hat, ihr Angebot in einer Handvoll Portalen gleichzeitig schalten. Dazu ist das Start-up im vergangenen Jahr eine Kooperation mit dem Bundesverband der Campingwirtschaft (BVCD) eingegangen.

Attraktiver Markt für Start-ups

Konkurrenz droht Möhrle nun von einem Branchenriesen: Der ADAC hat in vergangenen Woche die Gründung eines eigenen Camping-Start-ups angekündigt. Dieses kann an die „Campingwelt“ des Automobilclubs andocken und profitiert davon, dass der ADAC mit seinen Campingführern in der Branche sehr bekannt ist. Die Ausgründung ist bereits zum Start mit einer siebenstelligen Finanzierung ausgestattet.

Max Camping kommt dagegen bisher ohne Wagniskapital aus. Einzige Festangestellte seien bis zum Herbst er und seine Freundin gewesen, sagt Möhrle. Aktuell sind es sechs Mitarbeiter, Tendenz steigend. Den Markteinstieg des ADAC, der für das zweite Halbjahr dieses Jahres angekündigt ist, sehe er positiv: „Dass sich ein großes Traditionsunternehmen annimmt, wird die Digitalisierung der Branche insgesamt vorantreiben.“

Zu den weiteren Konkurrenten zählt neben anderen das von Rocket Internet unterstützte Start-up Campsy. Das hatte 2016 Camping Day aus den Niederlanden und im vergangenen Jahr Camping and Co aus Frankreich übernommen. Der Markt gilt als attraktives Betätigungsfeld für Technologie-Start-ups, da Buchungen bisher vor allem telefonisch oder per E-Mail stattfinden. Camping.info schätzt, dass Campingplätze in Europa jährlich 377 Millionen Übernachtungen verzeichnen.