Dass die Coaching-Idee so boomen würde, hätte Funsch allerdings nicht gedacht. Top forty gibt es seit zwölf Jahren. Das Projekt wurde vom Bundespräsidenten ausgezeichnet. Andere haben das Konzept aufgegriffen, zum Beispiel die Gründungsberatung Gründer 50plus.

Noch Nachholbedarf in Deutschland

Trotz Menschen wie Funsch, Strnad und Tilmann steht Deutschland in Sachen Senior Entrepreneurship noch am Anfang. Länder wie Norwegen, Schweden, Japan und die Schweiz haben den Wandel schon deutlicher vollzogen. Dort ist es laut dem Global Entrepreneurship Monitor 2013 wahrscheinlicher, dass ein 55-bis 64-Jähriger ein Unternehmen gründet, als dass dies ein 18- bis 24-Jähriger tut.

RKW-Gründungsexpertin Noemí Fernández Sánchez glaubt an einen langsamen, aber kontinuierlichen Anstieg in kleinen Schritten. „Alle Gründungsberatungen bestätigen, dass zunehmend Gründungsinteressierte in höherem Alter zu ihnen kommen“, erläutert sie. Doch sich beraten lassen heiße ja noch nicht, dass auch wirklich mehr Ältere gründen.

Weitermachen, so lange es Spaß macht

Um die tatsächliche Gründungsaktivität in späterem Alter voranzutreiben, hat die OECD 2012 im „Europäischen Jahr des aktiven Alterns“ die Förderung von Senior Entrepreneurship als ein wichtiges Ziel definiert. In ihrem Policy Brief on Senior Entrepreneurship fordert sie die Politik der Mitgliedsstaaten auf, entsprechende Rahmenbedingung zu schaffen: Dazu gehören Weiterbildungsangebote, Netzwerke und Finanzierungsmöglichkeiten für ältere Gründer. Allen voran sollte der Abbau von negativen Altersstereotypen stehen.

Programme wie „Senior Enterprise“ in Irland und PRIME (Prince’s Initiative for Mature Enterprise)in Großbritannien könnten als Vorbild dienen, damit auch in Deutschland potentielle Mature Entrepreneure auf die Möglichkeit zur Gründung aufmerksam gemacht und von ihren Zweifeln befreit werden.

„Dass Ältere unflexibel und schlecht zu motivieren sind, ist ein Vorurteil“, sagt Senior-Gründerin Funsch. Dass solche negativen Altersbilder nicht zutreffen, weiß sie nicht nur von ihren Klienten. Das bestätigt Funsch selbst. Sie ist inzwischen 68 und arbeitet „nur noch“ sechs Tage die Woche. Weitermachen will sie, so lange es ihr Spaß macht und ihre Beratungen gefragt und gewünscht seien.