Marketing fängt nicht erst an, wenn das Produkt marktreif ist oder die Webseite online geht. Auf dem „Entrepreneurship Summit“ erklären Experten, was schon vorher wichtig ist.

Berlin. Leon Reiner taugt eigentlich nicht gerade als das perfekte Musterbeispiel für Start-up-Marketing. Der frühere Social-Entrepreneurship-Berater war mit seiner Idee für ein Berliner Impact Hub, ein Gemeinschaftsbüro für soziale Gründungsprojekte, schon fast gescheitert: Es fehlte schlicht an Investoren für das Projekt; kein Geldgeber schien zu verstehen, dass er gemeinsam mit seinen Kollegen eben kein gewöhnlicher Coworking Space eröffnen wollte.

„Wir hatten weder Kapital noch einen Raum“, erzählt er. Schon etwas frustriert veröffentlichten er und seine Mitgründer schließlich einen „Failure-Report“ auf Facebook, in dem sie die eigenen Fehler auflisteten und in dem sie das Feedback anderer gesammelt hatten. Ein Schritt, der im Marketing-Handbuch nicht gerade auf der ersten Seite stehen dürfte.

Mit dem Prototyp hausieren gehen

Für Reiner und seine Mitgründer sollte die Veröffentlichung aber genau das sein: die perfekte Werbung. Plötzlich kam ein Unternehmen auf sie zu und bot ihnen 100 Quadratmeter Fläche zur Miete an. Als sie in einem Facebook-Post ankündigten, in drei Wochen das Berliner Impact Hub zu eröffnen und – wohlgemerkt noch ohne Vertrag in den Händen – fragten, wer dabei sei, hatten sie wenige Stunden später nicht nur Tausende Leute mit ihrer Nachricht erreicht, sondern auch 23 Anmeldungen.

Und mit dem eigenen Hinterfragen, dem eigenen Scheitern die Menschen erreicht, die vorher nicht auf ihre Idee angesprungen waren.

Marketing und Scheitern? In der Start-up-Welt passen diese beiden Worte nicht unbedingt zusammen. Auf dem „Entrepreneurship Summit“ der Stiftung des emeritierten Professors und Gründergurus Günter Faltin aber fanden diese Worte am Samstag ein Miteinander: Die Diskussionsrunde zum „Entrepreneurial Marketing“ fokussierte sich auf Marketing im Kleinen, auf Kundenakquise in den Anfängen. Für eine Gründerkonferenz ungewöhnlich, weil sie ganz ohne Tipps zur perfekten Pressemitteilung, zum Umgang mit sozialen Medien und zur Selbstpräsentation auskam.