Coca Cola bietet in Deutschland die Möglichkeit an, Essen zu bestellen. Der Erfolg ist jedoch fraglich, denn der große Boom der Essenslieferdienste ist vorbei.

Bei Lieferdiensten für Essen gab es in den vergangenen zwei Jahren einen enormen Boom: Investoren haben allein im Vorjahr eine Milliarde Euro in Delivery Hero, Foodora, Lieferando & Co. gesteckt. Mit Unmengen von Plakaten und Flyerverteilern werben sie um die Kunden.

Nun hat sich auch noch Coca Cola in den ohnehin schon umkämpften Markt der Lieferdienste begeben. Das Unternehmen bietet seit kurzem mit seiner neuen App Get Happy auch die Möglichkeit an, Essen bei Restaurants und Imbissen zu bestellen. Noch ist das Angebot überschaubar, doch Coca Cola hat an anderer Stelle gezeigt, was die Vertriebspower des Konzerns leisten kann – und testet auch noch die Integration von Mobile-Payment in die App.

Zunächst aber ersetzt Get Happy Bonuskarten aus Papier, mit denen Nutzer in Cafés oder Restaurants bislang Stempel sammeln, um beispielsweise das fünfte Getränk gratis zu bekommen. An solchen digitalen Rabattkarten haben sich auch schon viele Start-ups versucht, das bekannteste ist 10Stamps – die Münchner wurden im Vorjahr von Wirecard übernommen.

Doch den bisherigen Anbieter ist es nicht gelungen, eine kritische Masse zu erreichen. So hat es 10Stamps seit der Gründung 2011 geschafft, dass mit der App an 1200 Standorten digitale Stempel gesammelt werden können. Coca Cola hat hingegen mit seinen Außendienstlern in einem Jahr so viele Partner gewonnen, dass die App in mehr als 10 000 Cafés, Restaurants und Kiosken eingesetzt werden kann.

Geringere Gebühren als Lieferheld & Co.

„Wir helfen kleineren Kunden wie Pizzerien, Kiosken oder Cafés mit einer technologischen Plattform, die dafür selbst nicht die Mittel haben“, sagt Marcus Franke, der bei Coca-Cola Deutschland die digitalen Geschäfte leitet. Auch die Erweiterung auf den Bereich Essenslieferungen soll vor allem eine Dienstleistung für bestehende Partner sein. „Wir haben einen anderen Geschäftsansatz als Lieferheld & Co.“, sagt Franke. Das Unternehmen will dabei mit Gebühren punkten, die unter zehn Prozent vom Bestellwert liegen – bei Wettbewerbern wie Lieferheld werden bis zu 15 Prozent fällig.

Wie stark das Angebot genutzt wird, bleibt trotzdem abzuwarten. „Der Boom der Essenslieferdienste geht zu Ende“, hatte sogar Karl-Theodor zu Guttenberg im Vorjahr prophezeit. Tatsächlich sind die Investitionen eingebrochen, nun ist die Konsolidierung in vollem Gange. 18 Übernahmen gab es bei europäischen Essenslieferdiensten im Vorjahr, die bekanntesten waren der Kauf des türkischen Marktführers Yemeksepeti für 540 Millionen Euro.