Die „Lange Nacht der Start-ups“ soll sich um junge Unternehmen drehen. Stattdessen drängen sich die Konzernies in den Vordergrund.

Berlin. Das Start-up Tobyrich hat am Samstag nicht den besten Platz erwischt. Während den Gründern vom Stand nebenan der Berliner Oberbürgermeister vorgestellt wird und dort später auch der Presserundgang stoppt, können die Bremer mit ihren Spielzeugdrohnen nur von außen zugucken.

Dass die Nachbarn vom Start-up Manual One so viel Aufmerksamkeit erhalten, hier noch Hände schütteln und dort Selbstmarketing betreiben dürfen, liegt nicht unbedingt an ihrem einzigartigen Produkt. Das Unternehmen digitalisiert Bedienungsanleitungen und stellt sie den Nutzern via App kostenlos zur Verfügung. Nein, Manual One profitiert während der „Langen Nacht der Start-ups“, einer Veranstaltung für Berliner Gründer, eher von seiner Herkunft: Als Ausgründung der Telekom wird es vom Bonner Ex-Staatskonzern in der Berliner Niederlassung protegiert.

Ein Start-up, fünf Investoren

Tobyrich-Gründer Ulrich Ditschler, ein fröhlicher Typ mit blondgefärbten Haaren, nimmt es gelassen. Als Bremer würde man auf einer Berliner Veranstaltung eben nicht berücksichtigt, sagt er. Im Flüsterton fügt er hinzu: „Wir machen zehn Mal so viel Umsatz wie die.“ Und lacht.

Die „Lange Nacht der Start-ups“ in Berlin soll sich eigentlich um junge Unternehmen drehen. Rund 300 Start-ups haben sich vorab für die Veranstaltung beworben, 160 dürfen am Samstag in der Hauptstadtrepräsentanz der Telekom, im Ludwig-Erhard-Haus der Industrie- und Handelskammer, bei Microsoft Ventures und bei Volkswagens Drive ausstellen. Eigentlich sollen die jungen Unternehmen die Möglichkeit bekommen, sich den etwa 3000 Gästen zu präsentieren. Doch wie das Beispiel von Tobyrich zeigt, konzentriert sich die Veranstaltung nicht immer auf die Start-ups, sondern viel mehr auf die Interessen der Sponsoren und Konzerne.

Das lässt sich nicht nur während des Presserundgangs beobachten, bei dem zwei der vier vorgestellten Start-ups zufällig Ausgründungen der Telekom sind. Auch am Abend bei der sogenannten Elefantenrunde, dem wichtigsten Panel der Veranstaltung, dreht sich die Diskussion vor allem um die Konzerne. Auf dem Podium: sechs Personen, davon repräsentiert mit Philippa Pauen von Home eat Home gerade einmal eine ein Start-up. Der Rest: Telekom-Chef Timotheus Höttges, „Höhle der Löwen“-Investor Frank Thelen, der Leiter des Lufthansa Innovation Hubs Holger Schneider, Peter Jäger von Microsoft und Sonja Kardorf von der Berliner Investmentbank IBB.