Berlin ist die Start-up-Metropole. Aber unsere Kolumnistin reist dort nur ab und zu hin – und fühlt sich mit der Gründung in der Heimat viel wohler.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WiWo Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, mit dem Thema, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen und mit anderen Kuriositäten der Start-up-Szene. Heute widmet sie sich der Scheinkultur unter Gründern. Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt Meike Haagmans über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventours und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

Es muss ein Mittwoch gewesen sein. Denn Mittwoch ist Markttag in Leichlingen, einer Kleinstadt mitten im Bergischen Land. Es ist eine jener Städte, wo alle zwei Stunden ein Überlandbus hält, über Mittag die Geschäfte noch schließen und die Neuigkeiten der Region ein Mal in der Woche auf dem Marktplatz ausgetauscht werden. Es ist der Ort, in dem ich aufgewachsen bin.

Meine Mutter und ihr ehemaliger Vermieter hatten diesen Mittwoch beim gemeinsamen Wocheneinkauf zwischen Fischbrötchen und Gemüsefrau anscheinend ein neues Thema gefunden. Beide stellten nämlich fest, dass Nina, die Enkeltochter des ehemaligen Vermieters und ich Kolleginnen seien. Schließlich arbeiten wir beide in dieser Start-up-Branche.

Da ich Nina und ihr Geschäftsmodell bei myonbelle.de schon in der Presse verfolgt hatte, konnte ich meiner Mutter relativ schnell erklären, dass zwischen einem Mode Startup und der Gründung eines Reiseveranstalters doch ein gewisser Unterschied liegt.

Eine Woche später saßen Nina und ich beim Kaffee in Leichlingen und mussten doch sehr über das Gesprächsthema meiner Mutter und ihres Großvaters schmunzeln. Obwohl es uns beide oft beruflich in die Hauptstadt verschlägt, sind wir uns einig, dass wir uns mit der Gründung in der Heimat doch sehr wohl fühlen und es nicht immer Berlin sein muss.

Ich bin wirklich oft und auch gerne in der Start-up Metropole. Ich mag die unzähligen Möglichkeiten von Meetings in Cafés, wo viele hippe Menschen fair-gehandelte und organische Machiattos vor ihren Apple Laptops schlürfen. Jeden Abend wird immer irgendwas eingeweiht und genetzwerkt, so dass man ganze Büros mit Visitenkarten tapezieren könnte.

Ich merke aber auch, dass der Druck beim Gründen in Berlin ein anderer ist, als bei uns im Rheinland. Der Startup Markt in Berlin ist umkämpft, wie ein beliebter Studienplatz. Man muss sich profilieren und die Gefahr, sich dabei zu verlieren ist greifbar nah.

Mit gefühlten drei Millionen Gründern erscheint Berlin als der Innovationshub schlechthin. Doch die Inbetriebnahme eines neuen Flughafens überfordert die Stadt heillos. Sind es dort Luftschlösser, wo woanders Fundamente entstehen?

Bei uns sind die Wege kürzer und die Wirtschaft familiärer. Gründungen werden als Handwerk und nicht als Trend angesehen. In Düsseldorf haben wir einen Gründerstammtisch und einen Unternehmerinnen-Preis. Mehr nicht. Trotzdem oder gerade deshalb, fehlt mir als Gründerin nichts, denn es bleibt auch Zeit, sich aufs wesentliche, nämlich die Unternehmung an sich, zu konzentrieren.

Wenngleich ich jeden Berlinbesuch nutze, um Inspirationen zu sammeln, brauche ich die Distanz um die Eindrücke verarbeiten zu können. Bei jeder Rückreise wird also nach einer knappen Stunde Flugzeit wieder der Lunch zum Mittagessen und der Call zum Anruf. Launchings sind ab sofort wieder Einweihungsfeiern und ich werde von einer Solo-, Side-, Bootstrap-, Notyetmom-, Butalreadythinkingaboutsocialfreezing-, Fempreneurin zur Unternehmerin. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.