Eine Krise zeigt sich bei Unternehmerinnen, keine Krise hingegen bei der Anzahl der Gründungen und Kreditech bekommt die Krise: Was in dieser Woche wichtig war.

Steckt die Start-up-Szene in der Krise? Die Zahlen scheinen dafür zu sprechen: Nur 310.000 Personen wagten 2014 den Schritt in die Selbstständigkeit. 2010 kam Deutschland noch auf 417.000 und 2004 sogar auf 573.000 Neugründer. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen hervor, über die die „Rheinische Post“ exklusiv berichtete.

Ist der Gründerboom also vorbei? Stirbt die Start-up-Szene? Um es kurz zu machen: Nein. Erfahrungsgemäß liegt die Gründungsquote schließlich niedriger, wenn die Wirtschaft brummt – das war 2004 und 2010 eher weniger der Fall. Ob es eine Gründerkrise gibt oder nicht, lässt sich auch nicht nur an der Anzahl der Existenzgründer ablesen, wie die Kollegen der „Gründerszene“ analysieren. Nachdenken vor Panikmache hilft manchmal.

Kriselnd sind dagegen die Perspektiven für Gründerinnen in Deutschland, wie eine Dell-Studie am Dienstag zeigte. Die Bundesrepublik schnitt lediglich auf Platz sieben von 31 ab – hinter Ländern wie den USA und Kanada. In den einzelnen Bewertungskategorien landete Deutschland teils unter ferner liefen: Bei „Führungspositionen und Rechte“ erreichte der Bund nur den 14. Platz, bei den „Wegen ins Unternehmertum“ sogar nur den 22. Platz – hinter Staaten wie Ägypten und Malaysia. Vielleicht sollte sich die Debatte mal ausnahmsweise nicht um altbekannte Zahlen, sondern um aktuelle Studien drehen. Bei der Gründerinnen-Förderung hat Deutschland schließlich wirklich noch Nachholbedarf.

Millionenumsatz ohne WHU

Nachholbedarf deutet sich auch in der Consulting-Branche an. Jeder dritte Berater sieht sich schlecht auf die Digitalisierung vorbereitet, wie aus einer Untersuchung der Münchner Personalberatung Lab & Company hervorgeht. Gleichzeitig denken die Consultants auch, dass die Digitalisierung die Zukunft ihrer Zunft sein wird. Start-ups wie Comatch setzen genau auf diese Perspektive. Die Konzernies von McKinsey und Co. sollten sich daran ein Beispiel nehmen.

Positive Beispiele präsentierten sich auch am Dienstagabend beim Deutschen Gründerpreis. Zwar nicht beim Geschlecht – auch die von ZDF, Stern, Sparkassen und Porsche vergebene Auszeichnung wurde mit Ausnahme der Moderatorin von Männern dominiert –, aber bei den Preisträgern. In der Kategorie Start-up konnte sich das Unternehmen Restube durchsetzen, das einen Rettungsschlauch entwickelt hat, der bei Notfällen im Wasser Leben retten soll. Aufsteiger wurde der Webseitenkastenbauer Jimdo, der erst vor kurzem seine erste Finanzierungsrunde hinter sich brachte. Den Sonderpreis erhielt Auticon, ein Unternehmen, das Autisten beschäftigt. Die Wahl zeigte auch: Man muss nicht an der WHU studiert haben, um ein Start-up mit Millionenumsatz führen zu können.

Nachdem Millionenfinanzierungen in der vergangenen Woche rar waren, verkündeten in dieser Woche gleich mehrere Start-ups große Finanzierungsrunden: Rockets Zalando-Klone, gebündelt in der Global Fashion Group, nahmen 150 Millionen Euro ein, das Charakter-Analyse-Start-up Psyware kam auf mehrere Millionen, das Rechtsunternehmen Advocado erhielt eine mittlere sechsstellige Summe. Schaut man sich da allerdings US-amerikanische Finanzierungsrunden an – Wohnungsvermittler Airbnb holte sich vor seinem Börsengang noch einmal 1,5 Milliarden US-Dollar –, erscheinen selbst Rocket-Summen mickrig.

Mehr Börsengerüchte bei Rocket

Dabei stehen dem Vernehmen nach ja auch in Deutschland weitere Börsengänge an. Neben Gerüchten um die Global Fashion Group meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg in dieser Woche, dass auch das Lieferdienst-Start-up Hellofresh auf das Frankfurter Parkett gehen will. Rocket Internet scheint sich an der Börse langsam heimisch zu fühlen.

Nicht ganz so begeistert vom frühen Bekanntwerden seiner Pläne zeigte sich hingegen Sebastian Diemer, der Gründer von Kreditech. Als öffentlich wurde, dass der Investor Peter Thiel bei dem Fintech-Start-up einsteigt, zeigte sich Diemer auf seiner Facebook-Seite etwas verärgert. Entweder änderte er seine Meinung oder begriff selbst, dass er mit seinem Statement die Gerüchte bestätigt hatte. Jedenfalls löschte Diemer die Worte zu seinem Post schnell wieder.

Wie war das noch mit dem Nachdenken?