Wie können Unternehmen, aber auch Einzelpersonen oder Organisationen Communities etablieren und wachsen lassen? Tijen Onaran weiß es.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt Tijen Onaran. Sie ist Gründerin von startup affairs, einer PR und Public Affairs Beratung für Start-ups, Venture Capitals und Unternehmen. Mit Women in Digital e.V. vernetzt Onaran Entscheiderinnen der Digitalbranche und macht diese sichtbar. Vor der Gründung von startup affairs war sie als Leiterin Kommunikation beim Onlinehandelsverband Händlerbund und in unterschiedlichen Funktionen für Bundestags-, Europaabgeordnete sowie das Bundespräsidialamt tätig.

Der März 2015 markiert für mich ein besonderes Datum: es ist der Start einer Community, die heute Women in Digital heißt und ein gemeinnütziger Verein für Frauen aus der Digitalbranche ist.

Hätte mir jemand vor rund zwei Jahren gesagt, dass aus dem Kreis der damals anwesenden Frauen einmal eine so starke und lebendige Community werden würde, ich hätte es nicht für möglich gehalten. Doch es wurde möglich und nicht nur das: die Community lebt, wächst und ist so unglaublich kraftvoll, dass ich oft gefragt werde, wie es dazu kam.

Wie geht das mit diesem berühmt berüchtigten Community-Management? Wie können Unternehmen, aber auch Einzelpersonen oder Organisationen Communities etablieren und wachsen lassen?

1. Community braucht Gesichter 
Community-Management bedeutet in erster Linie Identifikations-Management. Wenn es darum geht eine Gemeinschaft aufzubauen, braucht es neben einer klaren Struktur insbesondere auch Menschen, die die Community gestalten und mit Leben füllen. Der Klassiker ist der: Am Anfang sind alle begeistert, wenn es darum geht ein wiederkehrendes Format, ein Netzwerk, eine Reihe zu etablieren und nach dem großen Auftakt passiert, genau: nichts. Das kann schnell zu Frustration und Stagnation führen. Daher ist eine der ersten und wichtigsten Schritte, Menschen zu finden, deren Aufgabe und Leidenschaft es ist Schritt für Schritt die Community zu etablieren. Für Unternehmen bedeutet dies, dass es im Idealfall Experten gibt, die sich nicht „on top“ mit Community-Management beschäftigen, sondern deren Job es ist dies vollumfänglich zu tun.

2. Sucht euch aktive Multiplikatoren! 
Genauso wie es feste Ansprechpartner braucht, die die Community voranbringen und gestalten, braucht es Botschafter und Multiplikatoren, die „von außen“ unterstützen und Zugang zu ihren Netzwerken und Communities schaffen. Viele vergessen dabei, dass diese Multiplikatoren einen ideellen Anreiz benötigen, um sich für die Community stark zu machen. Das kann eine Bühne für das Know-How oder das Expertentum sein. Oder aber auch der umgekehrte Zugang zu einer Community, die alle Talente bündelt, die man selbst nicht hat.

3. Community Management ist Marathon, nicht Sprint! 
Für diejenigen Leserinnen und Leser dieser Kolumne, die wie ich mit einer gesunden Portion Ungeduld ausgestattet sind, ist das Community Management eine fantastische Übung die eigene Geduld zu stärken. Communities brauchen ihre Zeit, um zu wachsen und Strukturen als solche auch abzuspeichern. Nehmen wir eine Veranstaltungsreihe für eine Community: es wird immer einen festen Kern geben, der sich mit denjenigen mischt, die situativ dazustoßen. Wichtig ist zu wissen, dass es zur Etablierung des festen Kerns Zeit und Ausdauer braucht! Strukturen wie feste Informationskanäle, ob digital oder analog, runden das Ganze ab.

4. Infotainment statt Information 
Eine starke Community lebt auch von starken Informationen. Dabei hat jede Community ihre eigene Tonalität. Geht es mir darum eine Community zu schaffen, die den fachlichen Fokus im Blick hat, sollten die News, die über und in die Community gestreut werden, entsprechend auch den jeweiligen fachlichen Bezug haben. Ist das Verbindende der Community eher das Teilen von Werten, Erfahrungen und (Lebens-) Wegen, helfen Geschichten von Vorbildern. Bei beiden Ansätzen, ob fachlich oder wertefokussiert, ist das Spannendste: die Mischung aus Information und Unterhaltung. Ein zu viel an Information kann erdrückend wirken, genauso wie ein zu viel an Unterhaltung eine Community schnell ins Comedy-Genre katapultieren kann.