Die Zeit von Kohle, Gas und Atom ist vorbei. Nun suchen die Versorger nach innovativen Energielösungen – gute Zeiten für Start-ups, findet Kolumnist Niklas Veltkamp.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt Niklas Veltkamp, Mitglied der Geschäftsführung beim Branchenverband Bitkom und dort für Start-ups zuständig.

Die Energiebranche sieht die Digitalisierung als eines der absoluten Top-Themen – und auch die Politik erkennt endlich einmal die Chancen des Themas und nicht nur die Bedrohungen: Das im Juni vom Bundestag verabschiedete „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ läutet aus meiner Sicht eine neue Energie-Ära ein. Es ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, 95 Prozent des Strombedarfs aus Erneuerbaren zu decken.

Energieriesen wanken

Doch zunächst zum Status quo: Deutschlands große Energieriesen wanken beim Sprung von der alten in die neue Energiewelt. Eon gab erst in der vergangenen Woche bekannt, wieder einmal Milliarden-Abschreibungen auf Kraftwerke und Gasspeicher schultern zu müssen. Und auch RWE, Vattenfall und EnBW kämpfen nach wie vor mit wegbrechenden Gewinnen. Die Zeit der Energiedinosaurier Kohle, Gas und Atom ist vorbei. Nun suchen die Versorger die Nähe zu Treibern innovativer Energielösungen, jungen Tech-Unternehmen und Start-ups.

Denn die werkeln schon heute kräftig am Energienetz der Zukunft mit. Eon sucht beispielsweise die Zusammenarbeit mit kreativen Entrepreneuren aus dem Energiebereich im eigens geschaffenen „agile accelerator“. RWE ist Founding Partner vom German Tech Entrepreneurship Center in Berlin. Smarte Ideen und Produkte sollen im RWE Innovation Hub gedeihen und reifen. Und auch erste Fonds und Corporate VCs fokussieren sich auf den Energie-Bereich, so etwa Statkraft Ventures aus Düsseldorf.

Start-ups bieten innovative, digitale Impulse und Lösungen

Die Start-ups bieten innovative, digitale Impulse und Lösungen, die für den Erfolg der Energiewende entscheidend sein werden. Technologien, die die Energieeffizienz erhöhen, Ressourcen schonen und damit maßgeblich zum Klimaschutz beitragen. Ein Beispiel sind Smart Grids, also intelligente Stromnetze, die mitdenken: Künftig startet der Geschirrspüler, wenn der Stromtarif am billigsten ist, und nicht, wenn ich gerade den Knopf drücke. Ein Segen für mein Portemonnaie – und obendrein für die Umwelt.

Beispiele für kreative Start-up-Ideen im Energiebereich gibt es etliche: ÜberEnergy etwa – im Silicon Valley gestartet und mittlerweile in Berlin tätig – hat ein Energie-Prognosesystem entwickelt. Mit hochmodernen Technologien im Bereich der künstlichen Intelligenz kann es die exakte Energiemenge berechnen, die nötig ist, um einen Raum zu heizen oder zu kühlen. Dabei berücksichtigt ÜberEnergy zum Beispiel ungenutzte Bereiche und Zimmerecken, die Anwesenheit von Menschen sowie das Wärmeverhalten. Nach einer anfänglichen Lernphase verhindert das System so Energieverschwendung beim Heizen oder Kühlen, indem es den Energiekonsum individuell anpassen kann.