Anfangseuphorie und Neugier sind verflogen. Unsere Kolumnistin ist müde geworden und fragt sich: Ist die Start-up-Welt wirklich das Richtige für mich? 

Mittwoch ist Kolumnentag bei WiWo Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, mit dem Thema, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen. Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt Meike Haagmans über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

„Es sind tatsächlich schon wieder vier Wochen seit deiner Kolumne vergangen…“ die Mail mit dem neuen Abgabetermine aus der Wirtschaftswoche Gründer Redaktion kam pünktlich und doch unerwartet für mich. Seit drei Jahren schreibe ich diese Kolumne, habe vieles in dieser Zeit erlebt, darunter jede Menge skurriler Situationen aus dem Gründeralltag von denen es sich lohnte zu berichten.

Aber diesen Monat? Nichts! Es hatte sich tatsächlich nichts abgespielt, außer dem ganz normalen Alltag. Keine Neuigkeiten, die hier annähernd interessant sein könnte.

Und das Hamsterrad dreht sich

Während also im fernen Berlin die gesamte Start-up-Szene aktuell aus dem Winterschlaf erwacht, von Konferenz zu Konferenz pilgert und Frühlingsgefühle die allgemeine Aufbruchstimmung beflügeln, herrscht bei uns gähnende Stille. Nicht im monetären Sinne. Der Umsatz ist seit fast fünf Monaten im Sollbereich. Ein Rekord. Wir können uns über Arbeit nicht beschweren: Buchungen kommen rein, Rechnungen werden geschrieben, Gehälter gezahlt und dann beginnt alles wieder von vorne. Monat für Monat. Das Rad dreht sich. Das Rad, dem ich eigentlich mit der Gründung vor sechs Jahren entfliehen wollte.

Wo ist sie hin, die Anfangseuphorie? Die Neugier? Die Zeit, in denen ich vor Aufregung nachts nicht schlafen konnte und meine Beißschienen zerkaute? Die Zeit, in denen sich Erinnerungszettel auf meinem Nachttisch stapelten, weil ich vor lauter Gedanken nicht schlafen konnte. Wo ist sie, die Sturm- und Drangzeit? Die Zeit, in der kein Aufwand zu groß war, um die Ideen umzusetzen und der Kopf jeden Moment vor Überladung zu platzen drohte? Wo ist sie, die Hustler-Lust?

Die Anfangseuphorie ist verflogen

Ich erinnere mich an Zeiten, in denen ich aus Kostengründen, aber absolut enthusiastisch, nach London-Heathrow geflogen bin, um eine Messe zu besuchen, die am anderen Ende der Stadt lag. Der Weg hat mich zwei Stunden pro Strecke in der U-Bahn gekostet, nur um den teuren Stadtflughafen zu meiden. Heute fliege ich immer noch zu dieser Messe, inzwischen nach London-City, aber die Euphorie ist weg. Der Blick auf den Buckingham Palace im Anflug tangiert mich inzwischen nur noch peripher. Viel wichtig ist inzwischen die Umbuchbarkeit des Tickets, denn je flexibler das Ticket, um so früher kann ich nach Hause kommen – das ist wichtig, denn ich bin müde.

Ist ein Exit möglich?

Ich bin müde geworden der Fülle an Start-up Events, von meinem Facebook Stream, von Linkedin mit all seinen Erfolgsgeschichten, vom Reisen, den Lunch-Terminen, den Netzwerkveranstaltungen, dem Smalltalk, vom Alltag im Büro, dem Geruch in unseren Räumen, den technischen Problemen, den Fragen der Mitarbeiter und schlussendlich auch – so traurig es auch klingen mag – von dem Produkt, das ich selbst geschaffen habe.

Als ich Joventour gegründet habe, wurde mir immer wieder die Frage gestellt, ob ich einen Exit anstreben würde. Meine Antwort fiel jedes Mal verständnislos aus, denn ich konnte den Exithype noch nie wirklich nachvollziehen. Inzwischen muss ich mir aber eingestehen, dass der Gedanke das Geschaffene abzugeben gar nicht mehr so absurd ist: nicht aus monetären Gründen, sondern vielmehr um herauszukommen, heraus aus dem Hamsterrad.