Die Umwandlung ihres Start-ups in eine GmbH empfindet Meike Haagmans als Meilenstein. Aus einer Idee wurde ein Unternehmen, aus dem Gründer ein Unternehmer. 

Mittwoch ist Kolumnentag bei WiWo Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, mit dem Thema, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen. Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt Meike Haagmans über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

Es wird sich nichts ändern. Und doch habe ich dem Tag entgegengefiebert. Ich bin aufgeregt.

Mir gegenüber sitzt ein Mann im Nadelstreifenanzug. Er holt tief Luft und fängt an die zehn DINA4 Seiten, die vor ihm liegen, vorzulesen. Dabei scheint es, als ob er sich zum Ziel gesetzt hat, die größtmögliche Anzahl an Worten in einem Atemzug auszusprechen. Ich schaue ihn an und bekomme zwischenzeitlich Angst, er könne das Atmen vergessen. Plötzlich hält er kurz inne, schaut hinter den Blättern hervor und fragt mich: „Immer noch alleine? Das ist richtig?“ Ja, immer noch alleine. Ich nicke. „Gut“, sagt der Schnellleser, „dann können wir den Teil fast überspringen“. Ab diesem Moment fällt es mir schwer ihm zu folgen, sein Lesetempo nimmt Formen an, die ich für rekordverdächtig halte. Anfänglich versuche ich noch Satzanfänge und -enden herauszuhören, aber spätestens bei der sechsten Seite gebe ich auf und schaue dem „Anzugherren“ nur noch gebannt beim Vorlesen zu.

Ein bürokratischer Akt, der mich mit stolz erfüllte

„Dann fehlt nur noch die Unterschrift“, höre ich ihn sagen. Etwas abrupt werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ich hatte gerade begonnen, den Preis pro Minute fürs Vorlesen runter zurechnen. Diese Kalkulation bringe ich nun nicht zu Ende, sondern nehme den Mont Blanc Kugelschreiber vor mir in die Hand, atmete tief durch und höre wie meine innere Stimme sagt: „Da ist er also der Moment.“ Der Moment, auf den ich fünf Jahre hingearbeitet  habe. Der Moment, in welchem ich zur alleinigen geschäftsführenden Gesellschafterin einer GmbH werde.

Das Unterzeichnen des Gesellschaftervertrages war absolut unspektakulär, ein einfacher bürokratischer Akt, aber trotzdem verließ ich den Notartermin mit Stolz. Fünf Jahre hat JOVENTOUR nun als UG agiert und funktioniert und trotzdem hat die Firmierung „UG“ paradoxerweise immer dazu beigetragen, dass ich mein Unternehmen nie als 100% vollständig ansehen konnte.

Beurteilen wir Unternehmen viel zu schnell auf Grundlage ihrer Stammeinlagen?

Ich ertappe mich öfter dabei, dass ich bei Internetrecherchen über Start-ups gerne als erstes die Firmierung im Impressum nachlese. Vollkommen unbewusst und unbeabsichtigt stemple ich schnell Unternehmergesellschaften als „Kleinunternehmen“ ab. Das dieser Denkansatz jedoch der Falsche ist, zeigen mehr als eine Handvoll prominenter Beispiele in denen UGs durchaus Millionenumsätze erwirtschaften.

Vorgestern, zum Beispiel, habe ich meine Tickets für das bekannte Start-up-Event „Bits and Pretzels“ erhalten. Veranstalter und Absender ist eine UG. Beurteilen wir Unternehmen viel zu schnell auf Grundlage ihrer Stammeinlagen? Vielleicht sollten wir uns hier eine Scheibe von amerikanischen Unternehmern abschneiden. In den USA liegt der Fokus vielmehr auf dem Geschäftsmodell, auf der Frage, was das Unternehmen kann und macht, und nicht darauf in welchen unternehmerisch-juristischen Rahmenbedingungen es sich bewegt.  Ansonsten wären Richard Brandson und Kevin Spacy wohl kaum der Einladung einer UG im letzten Jahr gefolgt.

Eine bestandene Reifeprüfung

Ich erinnere mich noch die Zeit meiner Gründung. Auf Grund der Tatsache, dass die Reiseveranstaltung ein haftungsdrohendes Geschäft ist, gab es für mich nur die Option eine Kapitalgesellschaft zu gründen. Oft hörte ich Sätze wie: „Als UG wirst du Probleme bei Banken bekommen“. Eingetreten sind diese Prophezeiungen nicht. Obwohl ich also absolut keine negativen Erfahrungen mit dieser Unternehmensform gemacht habe, war die Umfirmierung ein angestrebter Meilenstein. Begründen kann ich es nicht, denn im Grunde wird sich nichts ändern. Wir werden weiterhin Reisen verkaufen und Bilanzen erstellen. Die Firmierung zu einer GmbH fühlt sich für mich jedoch wie eine bestandene Reifeprüfung an. Aus einer Idee ist ein Unternehmen geworden und aus dem Gründer ein Unternehmer.