Meike Haagmans reist nach Südafrika und begegnet dort nicht nur einer beeindruckenden Gründerin, sondern auch ihren eigenen Vorurteilen.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WiWo Gründer: Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, nimmt regelmäßig die Kuriositäten der Start-up-Szene unter die Lupe. Wenn sie nicht gerade für uns schreibt, bloggt sie über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

“Reisen ist tödlich für Vorurteile” – dieses Zitat von Mark Twain verwenden wir in der Tourismusindustrie gerne, um gegen kulturelle Klischees argumentieren zu können. Und auch die Start-up Branche ist voll von Vorurteilen – sowohl untereinander als auch von außerhalb.

Wir alle haben doch das Bild des erfolgreichen Gründers vor Augen – ebenso wie jenes vom erfolglosen: Ist nicht der Großteil der Investoren eine Art Frank Thelen? Mitte 40 und irgendwie immer jung, dynamisch mit einem blauen, perfekt gebügeltem Hemd, Markenjeans und edlen Sneakers?

Auch ich ertappe mich täglich dabei, wie Vorurteile meinen Arbeitsalltag prägen. Zum Beispiel muss ich selbst nach 13 Jahren Flugerfahrung immer wieder feststellen, wie überrascht ich bin, wenn Passagiere in der First Class Platz nehmen, denen ich auf den ersten Blick maximal ein Economy Ticket zugetraut hätte. Macht ein Anzug einen Menschen zum Geschäftsreisenden und eine Jogginghose einen Passagier zum Touristen?

Begegnung mit Kim

Weil wir Joventour momentan weltweit ausbauen, bin ich aktuell in Südafrika und lernte heute Kim, die Gründerin von Once kennen. Ein gemeinsamer Kollege hatte uns vor meiner Abreise ein digitales Intro gegeben und erzählte mir, dass Kim zu den erfolgreichsten Jungunternehmerinnen im Land zählt und letztes Jahr sogar mit dem Titel „Emerging Entrepreneur of the Year“ ausgezeichnet wurde.

Natürlich weckte die Gründergeschichte meine Neugier und wie vor jedem Meeting machte auch ich mir Gedanken über meine Gesprächspartnerin. Für mich war klar, dass sie jung, hip und smart sein würde. Vermutlich trug sie den neusten Style aus Kapstadt, hatte lange Haare, war braun gebrannt und gertenschlank.

Kim war rund. Richtig rund. So rund, wie eben Schwangere im neunten Monat sind. Und genau das war es, was mich am meisten überraschte, denn es war das, womit ich am wenigsten gerechnet hätte.