Anschub durch den Schwarm: Für Start-ups und Kreative kann sich Crowdfunding lohnen. Weltweit hängen deutsche Kampagnen jedoch noch hinterher, zeigt eine Studie.

Ob Smartwatch, Picknick-Kühlschrank oder Spielkonsole: Zahlreiche Tech-Gründer der letzten Jahre starteten ihre Finanzierung äußerst erfolgreich auf der amerikanischen Crowdfunding-Plattform Kickstarter – und sammelten dabei mehrere Millionen Euro ein. Der weit überwiegende Teil der Initiatoren zielt jedoch nicht auf sechs- oder gar siebenstellige Beiträge zur Unternehmensfinanzierung, sondern will kleinere Projekte zum Laufen bringen.

Neben den Erfolgsgeschichten gibt es auf dem Portal jedoch auch zahlreiche Künstler oder Unternehmer, die mit ihrem großen oder kleinen Kreativprojekt nicht das selbst gesteckte Finanzierungsziel erreichen.

Eine Garantie auf den Geldeingang ist Kickstarter also keineswegs: Über alle Projekte hinweg nennt die Plattform eine offizielle Erfolgsquote von 36 Prozent – etwa zwei von drei Initiatoren gehen also leer aus. Erfolgsquoten für einzelne Länder gibt das Portal jedoch nicht bekannt.

Drei von vier deutschen Projekten scheitern

Deutsche Initiatoren hängen noch einmal hinterher, behauptet jetzt eine Auswertung des Berliner Fintechs Finantio. Das Start-up hat nach eigenen Angaben die Daten von über 370.000 Kickstarter-Kampagnen ausgewertet. Finantio kommt auf eine Kickstarter-weite Erfolgsquote von 40,4 Prozent und damit zu etwas optimistischeren Ergebnissen als das Portal selbst.

Nach ihren Berechnungen schaffen es Initiatoren aus Hongkong in 45,3 Prozent aller Fälle, ihr Ziel zu erreichen. Die USA folgt mit 41,8 Prozent. Deutsche Kickstarter-Gründer hingegen waren nur in 27,8 Prozent ihrer Kampagnen erfolgreich. Initiatoren aus Italien und Österreich verbuchten noch einmal schlechtere Ergebnisse.

Deutschland hängt jedoch auch zeitlich hinterher: Kickstarter ist seit 2009 online, aber erst seit 2015 steht die Plattform auch deutschen Initiatoren, den sogenannten „Creators“, offen. Bis nennenswerte Summen über die Seite investiert wurden, dauerte es zudem eine Weile.

Auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer teilte Kickstarter mit, dass die Anteile von erfolgreich finanzierten Runden in der Regel über die Zeit ansteigen: „Sowohl Initiatoren als auch Investoren müssen sich mit Kickstarter erst einmal vertraut machen“, heißt es. Zudem benötigten die lokalen Märkte mehr Zeit, um eigene Netzwerke auszubilden, die sich gegenseitig austauschen und stärken.

Schwankende Stimmung im Schwarm

Bei der Crowdfunding-Plattform Kickstarter unterstützen Nutzer die Projekte und erhalten dafür in der Regel eine Gegenleistung – seien es signierte Ausgaben eines Comics oder einen Rabatt auf das noch zu entwickelnde Produkt. Beim Crowdinvestment, in Deutschland etwa durch Plattformen wie Seedmactch oder Companisto präsent, geht es darum, dass Nutzer virtuelle Firmenanteile oder Erfolgsbeteiligungen für ihren Einsatz erhalten.

Trotz steigender Anlagesummen geraten beide Formen immer wieder in die Kritik: Manchmal brauchen Start-ups trotz großer Werbeversprechen deutlich länger für die Produktgestaltung als versprochen, manchmal verlieren die Vebraucher bei einer Pleite einen großen Teil ihres Investments. In Deutschland hatten im vergangenen Jahr etwa Miito und Protonet die Segel streichen müssen.

Umgekehrt gab es auch die ersten Fälle, in denen die Privatinvestoren von der Geschäftsentwicklung profitierten. Die Terminbuchungsplattform Doxter, die mit Starthilfe von Anlegern des deutschen Portals Companisto gestartet war, konnte der Crowd vor einem Monat einen Bonus auszahlen, weil die Entwicklung der Firma über den Erwartungen lag.