Die gute Arbeitsmarktlage hält viele Menschen laut dem KfW Gründungsmonitor von der Selbständigkeit ab. Die Zahl der kapitalintensiven Start-ups nimmt zu.

Die gute Konjunktur in Deutschland wirkt dämpfend auf die Gründungstätigkeit: Weil sich derzeit relativ leicht ein fester Job finden lässt, entscheiden sich weniger Menschen dazu, unternehmerisch tätig zu werden. Insgesamt gab es im vergangenen nur 672.000 Gründungen – so wenig wie nie zuvor. Das ist das zentrale Ergebnis des KfW-Gründungsmonitors 2017, den die Förderbank heute veröffentlicht hat. Die Gründerquote – also der jährliche Anteil an Existenzgründern an der Bevölkerung im Alter von 18 bis 64 Jahren – fiel demnach von 1,5 auf 1,3 Prozent.

„Zur steten Erneuerung unserer Volkswirtschaft benötigen wir vor allem mehr Chancengründer, die häufiger Marktneuheiten an den Start bringen“, mahnt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Als Chancengründer bezeichnet die KfW Menschen, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen, weil sie in ihrer Idee eine große Chance auf unternehmerischen Erfolg sehen. Im vergangenen Jahr waren das 310.000. Hinzu kamen 166.000 „Notgründer“, die keine bessere Erwerbsalternative sahen. Weitere 196.000 Menschen machten sich aus anderen Gründen selbständig, etwa zur Selbstverwirklichung.

Jeder fünfte gründet digital

Der Statistik zufolge haben sich sieben von zehn Gründern im Dienstleistungsbereich selbständig gemacht. Der Handel und das produzierende Gewerbe haben einen Anteil von 16 beziehungsweise zwölf Prozent. Jeder fünfte Gründer ist dabei mit einem Angebot gestartet, das nur durch den Einsatz von digitaler Technologie nutzbar ist – also etwa mit einer Smartphone-App. Überraschend ist der Bundesländervergleich: Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre gab es laut KfW erstmals in Hamburg eine stärkere Gründungstätigkeit als in Berlin. Betrachtet werden dabei aber nicht alleine typische Start-ups. In die Erhebung fließen beispielsweise auch Freiberufler ein.

Der Gründungsmonitor, der auf einer repräsentativen Befragung beruht, beschäftigt sich auch mit der finanziellen Ausstattung von Gründern. Demnach setzen zwei von drei Gründer zum Start Finanzmittel ein – überwiegend aus eigenen Ersparnissen. Auf der anderen Seite hat sich der Anteil der Gründer, die sich mehr als 25.000 Euro von externen Kapitalgebern beschaffen, seit 2013 verdoppelt. „Existenzgründungen werden eindeutig kapitalintensiver“, sagt Zeuner. „Es ist daher umso wichtiger, dass gute Geschäftsideen der verhältnismäßig wenigen Gründer nicht an der Finanzierung scheitern.“