Sie sind umstritten und liegen gleichzeitig im Trend: Initial Coin Offering soll Gründern eine Finanzierung ohne Anteilsverlust oder Kredit ermöglichen. 

Von Jule Zentek

Eine gute Geschäftsidee alleine nützt nichts, wenn das Geld zur Umsetzung fehlt. Gerade kurz nach der Gründung sind die Umsätze bei Start-ups aber oft noch gering, gleichzeitig wollen viele Gründer so früh noch keine Unternehmensanteile an Investoren abgeben.

Übliche Finanzierungsmethoden über Business Angels oder Venture Capital fallen somit weg. Ein Dilemma, aus dem ein neuer Trend, dem vor allem Tech-Start-ups folgen, heraushelfen könnte: Sie starten einen sogenannten ICO.

Seit Jahresanfang flossen laut ICOdata mehr als 5,4 Milliarden Dollar in ICOs – fast so viel, wie 2017 insgesamt mit ICOs eingenommen wurde. Auch eine aktuelle Umfrage des Branchenverbandes Bitkom offenbart die Neugier von Start-ups, wenn es um das Thema geht. Doch wie funktioniert dieses Modell eigentlich?

Kapital durch Krypto

Das Kürzel steht für „Initial Coin Offering“: Start-ups geben dabei eine eigene digitale Währung in Form von Coins oder Tokens aus – ähnlich wie die Ausgabe von Aktien eines Unternehmens. Investoren erhalten allerdings weder Stimmrechte, noch eine Gewinnbeteiligung oder Anteile am Unternehmen. Sie können nur hoffen, dass sie in ein erfolgreiches Start-up investiert haben – und der Wert der Kryptowährung steigt.

Die Unternehmen kommen so in nur wenigen Wochen an Kapital – das macht ICOs gerade bei Start-up beliebt. Doch in den vergangenen Jahren gab es einige ICOs, die sich als Betrug herausstellten. „Immer wieder kommt es zurzeit in der USA zu Rückabwicklungen von ICOs oder sogar Verhaftungen durch die Finanzaufsichtsbehörden“, sagt Sergej Stein, Gründer von DLT Capital.

ICO – ist das die Zukunft?

Das soll deutschen Start-ups nicht passieren. Dafür wollen Accelerator-Start-ups wie DLT Capital und Catena Capital sorgen. Sie begleiten Start-ups bei der Umsetzung und wollen ICOs künftig als Finanzierungsmethode der Zukunft etablieren.

ICOs haben aus Sicht der Acceleratoren unternehmerische Vorteile für Start-ups: Weil sie das Sagen behalten, können sie vieles leichter und schneller umsetzen.

Nicht nur was für Nerds

Damit ICOs endlich ihr Image als unreguliertes und daher gefährliches Investment verlieren, können Unternehmen ihre geplanten ICOs mittlerweile von Aufsichtsbehörden, wie der deutschen BaFin, prüfen und gesetzlich einordnen lassen. Das macht den ICO attraktiver für Investoren.

Ein guter ICO braucht allerdings mehr, als nur das Einverständnis der Finanzbehörden. Am wichtigsten ist ein aussagekräftiges Whitepaper – eine Art Prospekt wie beim Börsengang eines Unternehmens. Darin stehen neben der Geschäftsidee auch die rechtlichen und vertraglichen Bedingungen. „In Deutschland dauert die Umsetzung eines ICOs zwischen drei bis sechs Monate“, sagt Miriam Neubauer, Gründerin von Catena Capital.

Nach dem ICO ist vor dem ICO

Denn hinzu kommt noch die technische Umsetzung über die Blockchain-Technologie, das Marketing und schließlich das Listing der Token auf den Krypto-Börsenplätzen – all das kostet. „Ein ICO kann schon leicht eine halbe Millionen Euro an Kosten verursachen und dies, ohne Marketing betrieben zu haben“, sagt Stein.

Damit sich der Aufwand lohnt ist der Aufbau einer Community wichtig: Glauben Investoren an eine Geschäftsidee, sind sie meist auch für weitere Finanzierungsrunden bereit. Unternehmen sollten ihre Investor Relations daher gut pflegen und ihre Geldgeber regelmäßig mit Updates zum ICO versorgen – ähnlich wie Börsenunternehmen.

Das alles wird sich für Start-ups lohnen, meinen die Teams von Catena Capital und DLT Capital. Sie sind überzeugt: Die Finanzierung der Zukunft heißt ICO.