Die Start-up-Welt wird als Arbeitgeber wichtiger. Im Vergleich mit anderen Gründerzentren punktet Deutschland oft – insgesamt haben die Jobs noch Schattenseiten.

Digital wird Trumpf: Keine andere Branche beschäftigt so viele Mitarbeiter in Deutschland wie die Digitalwirtschaft, hat der Lobbyverband Bitkom ausgerechnet. Bis zum Jahresende sollen knapp 1,1 Million Menschen in der Informationstechnik, der Telekommunikation oder der Unterhaltungselektronik beschäftigt sein – damit verdrängen diese Branchen gemeinsam wohl sogar den traditionsreichen Maschinen- oder Automobilbranche auf die weiteren Plätze.

Und auch die Start-up-Welt legt stetig in ihrer Bedeutung als Arbeitgeber zu. Die Metajobsuchmaschine Joblift hat etwa 110.000 Online-Stellenanzeigen aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden ausgewertet. Zusätzlich führten die Berliner Interviews mit 500 Start-up-Mitarbeitern geführt. Beides zusammen ermöglicht einen Einblick in die Arbeitsbedingungen der vergleichsweise neuen Jobs. Er zeigt: Im europäischen Start-up-Vergleich können deutsche Start-ups mithalten. Vergleicht man die Aussagen aus den Stellenanzeigen jedoch mit anderen Branchen, zeigen sich einige Schattenseiten. WiWo Gründer präsentiert zentrale Ergebnisse aus dem European Start-up Report (PDF).

Wenig Geld

Im Durchschnitt verdienen die befragten deutschen Start-up-Mitarbeiter im Jahr 41.510 Euro. Das ist im Vergleich zu den Niederlanden (34.190 Euro) geradezu üppig. Im Vergleich zum deutschen Brutto-Durchschnittseinkommen von 44.400 Euro fehlt jedoch noch etwas.

Viel Arbeit

45 Stunden arbeiten die Mitarbeiter in deutschen Start-ups im Durchschnitt pro Woche – genauso viel wie ihre französischen Kollegen. Richtig viel geackert wird in Großbritannien, wo laut der Joblift-Umfrage jeder Mitarbeiter im Schnitt 49 Stunden pro Woche verbucht. Im Vergleich zum gesamtdeutschen Durchschnitt, der bei 41 Stunden liegt, sind die deutschen Start-up-Beschäftigten dennoch deutlich länger im Großraumbüro.

Freies Essen

Zumindest müssen die Mitarbeiter nicht hungern und dursten, wenn man den ausgewerteten Stellenanzeigen glaubt. In 86 Prozent der Start-ups gibt es Freigetränke und –speisen. Gleich 89 Prozent werben sogar mit flexiblen Arbeitszeiten. Und um die Laune oben zu halten, gehören in vier von fünf Start-ups Teamevents zum Jahresprogramm.

Kleine Lohnlücke

Ein schwacher Trost: Glaubt man den Ergebnissen der Umfrage, sind nirgendwo die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau so gering wie in Deutschland. Die existiert jedoch immer noch deutlich: Die befragten männlichen Mitarbeiter erhalten im Schnitt 44.309 Euro, Frauen nur 40.087 Euro. In Großbritannien und dem Vereinigten Königreich ist die Lohnlücke deutlich höher.

Viel Belästigung

Mehr als jede/r achte deutsche Befragte in der Studie gab an, bereits persönlich von Sexismus am Arbeitsplatz betroffen zu sein. Damit belegen die deutschen Start-up-Mitarbeiter einen traurigen Spitzenplatz – in den anderen Ländern der Studie lag dieser Wert unter zehn Prozent.

Lernkurve

Nicht für das Start-up, sondern für das Leben lernen sie: 86 Prozent der befragten Mitarbeiter in deutschen Start-ups schätzen die Lernmöglichkeiten in ihrem derzeitigen Job als sehr gut ein – in keinem anderen Land der Studie ist dieser Wert höher. Aber: Deutschland belegt den letzten Platz, wenn es um die selbst eingeschätzten Karrierechancen geht – gerade in etwas reiferen Start-ups sehen die Mitarbeiter nur noch wenige Chancen für sich, schnell aufsteigen zu können.