Jan Michael Hess, Gründer der Ecosummit Berlin, über spannende Unternehmen am Energiemarkt, das deutsche Tesla und potentielle Unicorns.

Von Nora Zaremba

Am 9. und 10. Mai findet die Fachkonferenz für Smart Green Business, Ecosummit, in Berlin statt. Gründer Jan Michael Hess spricht über die deutsche Cleantech-Szene, Herausforderungen an Investoren und zukünftige „Unicorns“.

Herr Hess, warum gibt es kein deutsches Tesla?
Elon Musk ist Spezialist in Sachen Vermarktung. Wir haben tolle Ideen und auch die nötige Stärke, um Innovationen auf den Weg zu bringen. Allerdings finden wir hierzulande eine weniger entwickelte Gründerkultur. In der Regel trauen sich Start-ups seltener an Themen heran, die sehr kapitalintensiv sind.

Wer wird das erste deutsche Elektroauto auf den Markt bringen?
Das wird nicht von einem Start-up kommen, sondern von einem etablierten Autobauer. Das ist einfach eine Kapitalfrage. Aber solange die Autobauer an ihrem ursprünglichen Geschäft gut verdienen, wird echte Innovation leider weiter hinaus gezögert. Und ein guter Ingenieur hat da auch wenig Anreiz, sein eigenes Ding zu machen.

Der von Ihnen gegründete Ecosummit bringt seit 2010 Investoren und Start-ups aus dem Cleantech-Bereich zusammen. Sind heute mehr Investoren an jungen, sauberen Unternehmen interessiert?
Ein Venture Capital ist mit seinem Fund langfristig im Geschäft – in der Regel auf 10 Jahre. In den ersten 5 Jahren wird investiert, in den zweiten 5 Jahren wird verkauft. Daneben gilt es, Geld für den nächsten Fund einzusammeln. Wer sich also einmal für einen Markt entschieden hat, bleibt dabei. Es findet wenig Wechsel statt. Ich bemerke allerdings, dass sich zum Beispiel auch Internet-Investoren, die keinen Fokus auf Cleantech haben, an jungen Cleantech-Firmen beteiligen, von denen sie sehr überzeugt sind. Beispiele sind die Beteiligungen von Atomico an Lilium, von Target Partners an Tado oder von Rocket Internet an Thermondo. Und etablierte Energieversorger investieren zunehmend in Start-ups.

Ist Cleantech für Investoren herausfordernder?
Eine Herausforderung besteht sicherlich darin, dass Hardware-Start-ups in der Regel mehr Geld für die Entwicklung einer Technologie oder eines Prototypen brauchen. Zudem benötigen sie ein paar Jahre, bis sie tatsächlich den Markteintritt schaffen. Da haben Start-ups, die reine Software-Lösungen anbieten, natürlich einen Vorteil. Deshalb ist es heute eher gängig, dass Start-ups mehrere aufeinander aufbauende Finanzierungsrunden planen und ihr Managementfähigkeiten beweisen müssen. Sie bekommen keinen großen Batzen auf die Hand von nur einem Venture Capital, sondern mehrere Häppchen von verschiedenen.

Welche Themen sind die bestimmenden beim Ecosummit 2017?
2010 ging es zunächst darum, den Energiemarkt überhaupt erst einmal schrittweise umzubauen und zu zeigen, dass Erneuerbare Energien funktionieren. Heute sind die Weichen im Energiemarkt gestellt. Die Energiewende ist längst beschlossene Sache, die Technologien sind größtenteils auch klar. Nun geht es aber um das Wie. Deshalb bietet der neue Energiemarkt heute zahlreiche Möglichkeiten für Start-ups, auch ohne viel Kapital mitwirken zu können.

Welche Start-ups finden Sie derzeit spannend?
Aus dem deutschen Raum gefallen mir Sonnen, Thermondo, Tado, Next Kraftwerke und Mobisol. Mit Begeisterung verfolge ich zudem die Erfolgsgeschichte von Lilium, einem Münchener Start-up. Ihr eigens entwickelter Lilium-Jet ist ein ausschließlich elektrisch angetriebenes Flugzeug und in dieser Hinsicht der erste seiner Art. Erst jüngst hat es seinen Jungfern-Flug erfolgreich gemeistert.