Die europäische Investorenlandschaft verändert sich, zeigt ein Report der Investmentbank GP Bullhound. Davon könnten deutsche Digitalunternehmen profitieren.

Die Solarisbank erhielt Geld von dem spanischen Finanzinstitut BBVA und dem niederländischen Pendant ABN Amro. Tech-Konzern Softbank steckte fast eine halbe Milliarde Euro in die Berliner Plattform Auto1 und die Frontier Car Group verbuchte ein Millionen-Investment vom Medienkonzern Naspers. Die Beispiele stehen für einen Trend: Immer stärken beteiligen sich in Europa strategische Investoren an aufstrebenden Digitalunternehmen. Das zeigt zumindest die heute veröffentliche Auswertung der Investmentbank GP Bullhound (hier geht es zum PDF).

Nach der Auswertung des Institut waren strategische Investoren im Jahr 2016 für jede etwa 25 Prozent der umfangreichen Finanzierungsrunden über 20 Millionen Dollar in Europa verantwortlich. Im vergangenen Jahr stieg dieser Anteil auf 42 Prozent, in den ersten Monaten dieses Jahres sogar auf 75 Prozent.Das deute auf einen „Paradigmenwechsel in der Investorenlandschaft“ hin, schlussfolgern die Autoren. Die reinen Finanzinvestoren, die sich dank frühem Kauf und klugem Verkauf von Start-ups profitieren wollen, verlieren dagegen Anteile.

Jagd auf das nächste Einhorn

Insgesamt wurden nach Berechnungen von GP Bullhound im vergangenen Jahr 20 Milliarden Dollar in europäische Tech-Firmen investiert. Die Top-50-Digitalunternehmen konnten dabei im Schnitt in den letzten fünf Jahren 102 Millionen Dollar an Risikokapital einwerben und beschäftigen im Schnitt 313 Mitarbeiter. Die Rangliste der gezählten Firmen ist jedoch nach eigens komponierten Regeln zusammengestellt: Zu gleichen Teilen gehen der Kapitalzuwachs der letzten fünf Jahre, das Kapital- und Personalwachstum innerhalb des letzten Jahres sowie eine Einschätzung von Risikokapital-Experten ein.

Bei der Anzahl von Start-ups mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarden Dollar, den sogenannten Einhörnern, hängt Deutschland im europäischen Vergleich zurück. Hier liegt Großbritannien mit 26 Einhörnern klar auf Platz 1. Schweden, Israel und Deutschland zählen jeweils acht solcher Digitalhoffnungen – hierzulande ist neben Zalando, Delivery Hero oder Rocket Internet kürzlich das Münchener Softwarehaus Celonis in den exklusiven Club vorgestoßen.

Auf einer Liste von möglichen Aspiranten für diese Liga finden sich jedoch weitere deutsche Vertreter, die gerade dank strategischer Investoren kräftig zulegen könnten. Vielen deutschen Konzernen stehen aktuell durchaus die Mittel zur Verfügung, um auch hohe Investitionen in neue Geschäftssparten eingehen zu können. Dazu zählt GP Bullhound unter anderem die Digitalbank N26, die mit Allianz und Tencent in diesem Jahr bereits Konzerne als Gesellschafter an Bord holte. Auch den Tourenvermittler Getyourguide, die Fernbus- und Fernzug-Plattform Flixbus und das Reiseportal GoEuro könnten dazu gehören.