Versicherungs-Start-ups bringen einen neuen Ton in die traditionelle Branche. Die etablierten Anbieter fühlen sich jedoch nicht bedroht, zeigt eine aktuelle Studie.

Nicht nur eine neue Versicherung, sondern „eine neue Welt“ – das verspricht das satt finanziert Versicherungs-Start-up Coya auf seiner Homepage. Und Wefox-Tochter One, die digital Haftpflicht- und Hausratsversicherungen anbietet, kündigt an: „Versicherung goes Lifestyle“. Mit solchen Slogans schlagen die Digitalfirmen in dem bislang eher nüchternen Geschäft einen neuen Ton an.

Und auch wenn sich viele der Start-ups am Markt noch beweisen müssen – die Versicherungsbranche selbst traut den neuen Mitspielern im direkten Kontakt mit den Versicherten einiges zu. 94 Prozent der Versicherer schätzen die neuen Marktteilnehmer als eher bis sehr relevant für den Kundenservice und für den Vertrieb ein, zeigt eine aktuelle Umfrage des Insurance Innovation Labs gemeinsam mit den Versicherungsforen Leipzig, die unter Branchenvertretern durchgeführt wurde.

Die Sorgen der etablierten Assekuranzen bleiben aber gering: In kaum einem Geschäftsfeld fürchten die Versicherer ernsthaft negative Konsequenzen. Am größten sind die Bedenken noch in den eher kundenfernen Bereichen Underwriting und Kapitalanlage. Hier könnten vor allem eher technisch ausgerichtete Start-ups mit Algorithmen in die traditionellen Geschäftsfelder vordringen.

Zugang zu Technik und Ideen

Um quer durch die Aufgaben neue Technologien auszutesten, sind Start-ups dagegen begehrte Partner der Versicherer. Eine Untersuchung der Unternehmensberatung Bearing Point hatte im Frühjahr gezeigt, dass es dabei sowohl um die Akquise, als auch den Kundenservice oder die Prozesse im Hintergrund gehen kann.

Etwa jeder dritte der befragten Versicherer gibt in der Leipziger Untersuchung nun an, systematisch und regelmäßig den Markt der Insurtechs zu beobachten und nach geeigneten Kandiaten zu durchforsten. „Die Zeichen stehen also klar auf Kooperation statt Konfrontation“, attestieren die Autoren der  Studie. Einige Konzerne unterhalten dafür auch Acceleratoren- oder Inkubatorprogramme, um früh die Nähe zu Gründern und Start-ups zu suchen.

Weltweit bleibt zumindest der Ansturm der Geldgeber auf Versicherungs-Start-ups groß. Laut einer aktuellen Auswertung des Beratungsunternehmen Willis Towers Watson machten alleine im zweiten Quartal des Jahres 2018 71 Insurtechs eine abgeschlossene Finanzierung publik.

Aus dem deutschsprachigen Raum dürften dabei unter anderem das 15-Millionen-Euro-Investment in DIG und die umfangreiche Finanzierungsrunde von Simplesurance aus dem Mai dazu gezählt haben – die Berliner legten Anfang dieser Woche noch einmal mit weiteren zehn Millionen Euro nach. Im vergangenen Jahr waren die Investitionen in deutsche Versicherungs-Start-ups dagegen laut einer Erhebung aus dem Januar leicht gefallen.