Viele Mitglieder, viele Kooperationen – zu enge gesetzliche Regelungen. In unserer neuen Kolumne berichten Digital Hubs von ihrer Arbeit. Heute: Wie steht es um Versicherungs-Start-ups?

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge berichten ab heute Vertreter der über das ganze Land verteilten Digital Hub Initiative in einem standardisierten Fragebogen, wie es um das Start-up-Ökosystem in den jeweiligen Schwerpunktbranchen steht. Zum Auftakt berichtet Sebastian Pitzler, Geschäftsführer des Trägervereins hinter dem Insurtech Hub in Köln.

Seit etwa einem Jahr ist der Insurtech Hub in Köln aktiv. Was läuft im Ökosystem bereits besser als gedacht?

Was bei uns richtig gut läuft ist, ist die Mitgliederentwicklung. Wir haben nun 58 Mitgliedsunternehmen und sind damit mittlerweile Deutschlands größte Brancheninitiative zur Vernetzung von Start-ups und Versicherern. In unseren Innovationsworkshops bringen wir unter einem bestimmten Thema, beispielsweise „Blockchain und Smart Contracts“ Start-ups mit den Mitgliedsunternehmen zusammen. Die Start-ups pitchen vor den Mitgliedern, um konkrete Pilotprojekte zu identifizieren. Beispielsweise haben wir das Berliner Start-up „Future of Voice“, ein Non-Insurtech Start-up, das sich um die Anwendung von Sprachassistenten wie Alexa kümmert, mit unseren Mitgliedsunternehmen zusammengebracht, um die digitale Kundenkommunikation zu verbessern. Außerdem haben wir ein Accelerator-Programm, bei dem wir zuletzt das Start-up „Kasko“ mit der Zurich Germany vernetzt haben. Hier wurde in nur drei Tagen eine Kooperation geschlossen. So können viel schneller neue Versicherungsprodukte entwickelt werden, als wenn das eine Seite alleine täte.

Und was läuft schlechter als erhofft?

Wir sind wie gesagt überrascht, wie viel gut läuft. Wo wir aber tatsächlich Nachholbedarf haben, ist unser Start-up-Campus. Wir bieten einen Co-Working-Space an und laden Insurtech-Start-ups und Digitaleinheiten unserer Mitgliedsunternehmen ein, mit uns zu arbeiten. Zurzeit haben wir eine Auslastung von ca. 60%. Da wollen wir noch mehr erreichen und beispielsweise durch strategische Partnerschaften das Ganze attraktiver und lebendiger gestalten.

Warum ist dieser Hub ausgerechnet an diesem Ort?

Köln ist ein Traditionsstandort für Versicherungen. Mit Versicherern wie beispielsweise Axa oder Gothaer hat er eine lange Historie, was das Thema angeht. Unsere Versicherer sind ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Die TH Köln und Universität zu Köln, die zu unseren Gründungsmitgliedern zählen, sind im Versicherungskontext ebenfalls führend. Unsere Mitglieder haben ein großes Interesse daran und die idealen Voraussetzungen dafür, die Themen Digitalisierung und Versicherung von diesem Standort aus erfolgreich voranbringen. Aber nicht nur die Konzentration, sondern auch das Netzwerk ist sehr wichtig für uns: Versicherungen decken von Hausrat über Unfall bis zu Vorsorge alle Lebensbereiche ab. Daher sind Cross-Industry-Innovationen, etwa mit den Bereichen Smart Home oder Digital Health, besonders wichtig für uns.

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