Schneller Start, große Ziele: In unserer Kolumne berichten Digital Hubs von ihrer Arbeit. Heute spricht Manuel Holzhauer vom InsurTech Hub Munich über Erfolge und Schwierigkeiten.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge berichten Vertreter der über das ganze Land verteilten Digital Hub Initiative in einem standardisierten Fragebogen, wie es um das Start-up-Ökosystem in den jeweiligen Schwerpunktbranchen steht. Heute berichtet Manuel Holzhauer vom InsurTech Hub Munich von überzogenen Gesetzen, Neidgefühlen und spannenden Trends .

Was läuft im Ökosystem dieses Hubs besser als gedacht?
Was mich sehr freut, ist das Interesse der großen Corporates. Wir haben dreizehn große Versicherungskonzerne als Mitglieder, da ist eine Allianz dabei, eine Müchener Rück, die Versicherungskammer Bayern, viele internationale Global Player, aber eben auch ein paar regionale Champions. Wir haben zahlreiche Programme und Events, wo wir Start-ups und große Corporates vernetzen. Herzstück ist unser achtwöchiges Accelerator-Programm, bei dem zehn von den Mitgliedsunternehmen ausgewählt Start-ups begleitet und beraten werden, ähnlich wie bei einem Boot Camp. Beim abschließenden „Demo Day“ stellen die Start-ups dann ihre Ideen vor den Mitgliedsunternehmen, Investoren und Kollegen vor. Wir veranstalten bis zu zwei Demo Days im Jahr.

Und was läuft schlechter als erhofft?
Wir sind im Prinzip auch ein Start-up. Unser operatives Team ist relativ klein und im Aufbau. Bisher waren wir auf die Unterstützung von Mitarbeitern der Mitgliedsunternehmen angewiesen, die uns von den Mitgliedern zur Verfügung gestellt wurden, aber tagsüber noch ihrem normalen  Job nachgegangen sind. Wie fast überall brauchen auch wir mehr Personal, das sich Vollzeit dem Thema widmen kann.

Warum ist dieser Hub ausgerechnet an diesem Ort?
München hat extrem gutes Bier. Nein, Spaß! Viele Versicherungsunternehmen haben ihren Hauptsitz in München. Die CEOs der Allianz und der Münchener Rück sitzen vermutlich keine hundert Meter auseinander. Dann gibt es noch eine Versicherungskammer Bayern und eine Generali, die ihren Deutschlandsitz in München hat. Für viele Start-ups bietet das den Vorteil mit den großen Corporates direkt zusammenzuarbeiten. Dabei geht es gar nicht nur um die Corporates als Investoren, sondern darum, dass die Start-ups inhaltliche Unterstützung bekommen, was insbesondere in der frühen Phase ein Riesenvorteil ist. Und das spiegelt sich dann natürlich in der Qualität der Start-ups wider, die wir in unserem Hub haben.

Und auf welchen Ort/welche Region blicken Sie neidisch?
San Francisco und das Silicon Valley ist definitiv ein Ort, auf den man neidisch sein kann. Da sind die Big Four, Start-ups, kleinere Companies, Entwickler und alles ist zusammen an einem Ort. Die Ziele sind dort höhergesteckt und es ist einfach das größte Ökosystem weltweit. Das gibt es so an keinem anderen Ort.

Regulierung: Welches neue Gesetz würde helfen? Oder welches bestehende Gesetz müsste weg?
Die Versicherungsbranche als stark regulierte Industrie zeichnet sich grundsätzlich durch hohe Eintrittsbarrieren aus. Zum Beispiel werden Versicherer, ähnlich wie Banken, mit Kapitalanforderungen überzogen, weil sie ihren Kunden finanzielle Sicherheit bieten müssen. Für ein Start-up ist es schwierig von Anfang an so viel Kapital zur Verfügung zu haben. Ein regulatorisches Umfeld zu schaffen, das den Eintritt für Start-ups erleichtert, wäre mit Sicherheit hilfreich. Auf der anderen Seite verstehe ich auch, dass bestehende Unternehmen das nicht so toll fänden. Auf der einen Seite haben wir die Interessen unserer großen Mitglieder zu vertreten, die damals mit den gleichen Eintrittsbarrieren zu kämpfen hatten. Wieso sollte man die Eintrittsbarrieren für die Konkurrenz niedriger setzen? Auf der anderen Seite sehe ich aber auch die Interessen der Start-ups, die sich ausprobieren wollen. Eine Lösung dafür wären sogenannte Sandboxes, in denen junge Unternehmen Dinge in einem abgeschlossenen Feld einfach mal austesten können, ohne dabei übermäßig reguliert zu sein. Die Frage ist, ob die bestehenden Versicherungen, die schon im Markt sind, das befürworten. Eine schwierige Diskussion, die die Politik führen muss.

Kooperationen: Sind Mittelständler und Konzerne eher Freund oder Feind?
Was ich durchaus als Risiko ansehe, ist, wenn ein Unternehmen wie Amazon in den Markt eintritt. So ein neuer Player von außen kann massive Veränderungen für bestehende Unternehmen, aber auch für Start-ups mit sich bringen. Allerdings glaube ich auch, dass Disruption ganz selten von innen kommt, sondern von außen entstehen muss. Disruption im Versicherungsbereich geht also nur über Start-ups. Deswegen müssen auch große Versicherungskonzerne mit Start-ups kooperieren. Bisher gibt es ganz wenige solcher disruptiver Versicherungsmodelle. Lemonade ist so einer, oder Discovery in Südafrika, die haben eine Krankenversicherung, die ganz anders an das Thema Versicherung herangehen und den Markt verändern könnte.

Was wird das nächste große Ding in diesem Themenbereich (des Hubs)?
Ich bin überzeugt, dass es Künstliche Intelligenz ist. Die Menge an Daten, die wir mittlerweile verarbeiten können und die KI als Grundlage braucht, ist massiv gewachsen. Allerdings werden viele Daten von den Versicherungen noch nicht genutzt. Jedes Unternehmen muss dazu in der Lage sein, seinen Datenschatz richtig zu analysieren, sich einen Data-Lake aufzubauen und die Daten strukturiert nutzen. So kann man Entwicklungen früher erkennen, Risiken besser einschätzen und letztendlich die Tarife kundenorientierter machen.