Erasmus-Austausch als Gründungsantrieb

Den Münchner David Hahn zog es mit Erasmus für vier Monate nach Spanien: Während er gleichzeitig seine Bachelorarbeit schrieb, arbeitete Hahn für Gastgeber David Tronchoni, Gründer der Softwarefirma Edinn, die Software zur Prozessoptimierung von Produktionsanlagen entwickelt – Hahns Studienschwerpunkt. Für den Jungunternehmer also eine perfekte Gelegenheit, denn Tronchonis Start-up passte ideal zu Hahns eigenem Businessplan. Aber auch für den Spanier scheint Hahn der ideale Partner gewesen zu sein: Gemeinsam entwickelten sie neue Konzepte für die internationale Vermarktung der Edinn-Produkte – speziell auch in Deutschland.

Als Jungunternehmer werde man nicht angesehen wie der Praktikant, sondern stehe gewissermaßen auf der gleichen Stufe, wie der Gastunternehmer, sagt Hahn. „Dadurch durfte ich mehr mitsprechen, als es bei einem Praktikanten der Fall wäre. Ich hatte das Gefühl, dass da das Potenzial gesehen und auch gefördert wird.“

Für den Absolventen der Technischen Universität München (TUM) steht die Gründung seines eigenen Start-ups in direktem Zusammenhang mit seinem Auslandsaustauch: „Es hat mich einfach fasziniert. Ich habe ja in Deutschland auch schon Praktika gemacht und so in verschiedene Unternehmen Einblicke erhalten, aber es hat mich kein einziges Mal so mit Enthusiasmus und Energie erfüllt, mein eigenes Unternehmen zu starten, wie während meines Aufenthaltes in Valencia“, sagt Hahn. Host-Entrepreneur Tronchoni bot ihm noch vor Ort an, für Edinn eine deutsche Zweigstelle aufzubauen. Der Jungunternehmer war begeistert und dankbar, lehnte das Angebot aber ab – er wollte etwas Eigenes. Seine Idee: Innovative Software-Produkte aus dem Ausland auf den deutschen Markt zu bringen – als Vertriebler. Mit Edinn hatte Hahn auch direkt den ersten Kunden an Bord und konnte seine Gründungsidee vorantreiben. Gemeinsam mit seinem TUM-Kommilitonen Wilhelm Bacher und seiner Schwester Julia Hahn gründete er bald darauf Kontale.

Ohne Erasmus wäre die Idee so wohl nicht entstanden und die Realisierung deutlich aufwendiger, ist sich Hahn sicher: „Ich habe durch die Workshops und Treffen mit anderen Gründern ein Netzwerk aufbauen können, das ich sonst irgendwo in einem Großraumbüro hätte erreichen können und das habe ich meinem Gastgeber zu verdanken, der das Vertrauen in mich hatte und seine Zeit und auch Geld investiert hat, weil er daran geglaubt hat, dass ich auch seinem Unternehmen einen Vorteil bringen werde.“