Das Start-up IDnow ersetzt das unbeliebte Postident-Verfahren durch Videochats. Anfangs war ein Konkurrent dabei schneller – doch nun haben die Münchner prominente Kunden gewonnen.

Als Felix Haas im vergangenen Jahr sein neues Start-up IDnow startete, waren die Erwartungen groß. Haas hatte zuvor die Ticketplattform Amiando gegründet und dann an Xing verkauft. Mit IDnow wollen Haas und sein Team das alte Postident-Verfahren bei der Eröffnung von Konten und anderen Finanzgeschäften überflüssig machen. Die Alternative: eine Identifikation per Videochat.

Dazu muss sich der Kunde mit einem Bankmitarbeiter verbinden und seinen Ausweis in die Kamera halten. Bundesfinanzministerium und Bafin haben die „Fernidentifizierung“ per Videoübertragung im Vorjahr zugelassen.

Banken wie die ING Diba oder die DKB entschieden sich dafür, dass neue Verfahren anzubieten. Beste Voraussetzungen also für das Münchner Start-up. Doch das Geschäft machte erst einmal ein Konkurrent: Das Berliner Unternehmen WebID Solutions sorgte bei zahlreichen Pilotprojekten für die technische Umsetzung, auch die Targobank entschied sich Ende 2014 für deren Lösung.

„Die waren am Anfang im Vertrieb schneller unterwegs“, räumt Haas ein. Doch inzwischen hat IDnow aufgeholt und sich dabei einen ganz großen Namen geangelt. Auch die Commerzbank bietet seit einiger Zeit die Onlinelegitimation an und arbeitet dabei mit IDnow zusammen. Auch verschiedene weniger bekannte Banken konnte Haas als Kunden gewinnen, dazu eine ganze Reihe von Fintech-Start-ups wie Auxmoney, Smava, iwoca, Vaamo oder Number26. „Viele hat überzeugt, dass man unsere Lösung schon in Apps einbauen kann“, sagt Haas.

Einen wesentlichen Beitrag habe zudem das neue Management-Team um Michael Sittek, zuvor Manager bei Amazon Payments, geleistet. Er hat zum Jahresanfang das operative Geschäft als CEO übernommen. Haas, der IDnow mit ehemaligen Amiando-Mitstreitern gegründet hatte, ist in den Aufsichtsrat gewechselt.

Die Geschäfte entwickeln sich inzwischen gut. Nachdem die Technik bis Ende 2014 noch kaum zum Einsatz kam, wickelt IDnow inzwischen eine dreistellige Zahl an Videoidentifikationen pro Tag ab.

Im kommenden Jahr hofft Haas auf einen weiteren Schub. Denn dann soll eine neue EU-Richtlinie in Kraft treten, die auch den nächsten Schritt vereinfacht, das Ausdrucken und Unterschreiben der Verträge. „Man kann dann vollelektronisch rechtsgültige Unterschriften leisten“, sagt Haas, „und braucht nicht wie bisher eine nervige Hardware, die niemand hat.“ Stattdessen werden die Verträge am Bildschirm angezeigt und während des Videochats mit einem Bankmitarbeiter erfolgt die Freigabe per Mausklick.