Die Erfolgswelle reiten, ohne sich überrollen zu lassen – vor dieser Aufgabe stehen Start-ups, wenn ihre Geschäftsideen wahre Hypes auslösen.

Von Louisa Riepe

Es ist ein Dienstag-Abend im September 2015. Die Brüder Denis und Daniel Gibisch haben gut 50 Freunde in ihr kleines Büro eingeladen, denn es soll ein großer Tag für das gemeinsame Start-up Littlelunch werden: Die Gründer pitchen in der Höhle der Löwen vor Judith Williams, Frank Thelen und einem Millionenpublikum am Fernseher.

Wie groß der Tag ist, das wissen die Jungunternehmer noch nicht, als sie mit dem ersten kühlen Bier anstoßen und die Ausstrahlung beginnt. „Aber nach fünf Minuten hat keiner mehr die Sendung verfolgt. Alle hingen am Telefon oder haben Mails beantwortet“, erinnert sich Denis Gibisch.

Es ist der Start eines unerwarteten Hypes auf Littlelunch. Gesunde Suppen, im Glas ungekühlt bis zu zwei Jahre haltbar, in Bioqualität und ohne künstliche Zusätze, maßgeschneidert als schnelles Essen für die Mittagspause – dieses Konzept trifft den Nerv der Zeit.

„Noch während der Sendung ist unser Onlineshop zwei Mal abgestürzt, wir hatten teilweise bis zu 6000 ungelesene Emails im Postfach“, sagt Denis Gibisch.

Im Nachhinein kann er darüber lachen, aber damals „war es echt chaotisch im Büro. Wir haben Freunde und Familie zusammengetrommelt, um den ganzen Anfragen irgendwie Herr zu werden.“

Erfolg bei “Höhle der Löwen” wird zweischneidiges Schwert

Anstatt der angestrebten 50.000 Euro wird der Kalendermonat September mit einem Umsatz von 500.000 Euro abgeschlossen. „Das war nicht zu erwarten“, meint Gibisch.

Dabei hatten die Gründer zwischen der Aufzeichnung und der Ausstrahlung der Sendung viel Zeit, um sich vorzubereiten: „Wir haben andere Start-ups gefragt, wie viel die so nach der Ausstrahlung von DHDL verkauft haben. Wir haben zwei neue Mitarbeiter eingestellt und unser Lager voll gepackt.“

Gereicht hat es nicht: Der Vorrat ist schnell ausverkauft, die Lieferzeit beträgt bis zu sechs Wochen. Es hagelt schlechte Bewertungen von enttäuschten Kunden.

Plötzlicher Erfolg ist ein zweischneidiges Schwert, das weiß auch Finn Age Hänsel, aktuell Chef des Umzug-Start-ups Movinga.

Der 33-Jährige hat selbst in zwei Hypergrowth-Unternehmen gearbeitet und blickt auf einige Erfahrung im Management des Erfolgs zurück. Er sagt: „Die Herausforderung ist, zu skalieren und trotzdem die Qualität sicherzustellen und die Nähe zum Kunden nicht zu verlieren.“

Wenn ein Start-up über Nacht bekannt wird, wie im Falle von Littlelunch, werden die Nadelöhre im Arbeitsprozess schonungslos aufgedeckt.