Mit Designkonzept, Shoppingclub und Beratung möbeln Start-ups die Einrichtungsbranche auf. Damit machen Home24, Westwing und 99Chairs auch Ikea Konkurrenz.

Wer nur die rechte Seite betrachtet, könnte das Plakat für eine Ikea-Werbung halten: ein merkwürdiger Name, serifenlose Schrift, ein Bett, abgebildet im Stil einer Gebrauchsanleitung des schwedischen Möbelhauses. Doch links offenbart sich, wer hier wirklich wirbt: Home24. Das Berliner Möbel-Start-up veralbert den größten Einrichtungshändler der Welt mit den Worten: „Betten kostenlos liefern lassen statt ANSTÄLLN mit allen anderen.“

Dass sich das Start-up mit Ikea vergleicht, mag etwas größenwahnsinnig wirken. Schließlich kam der schwedische Möbelhändler 2014 auf einen Umsatz von 28,7 Milliarden Euro weltweit, Home24 verzeichnete insgesamt Erlöse von gerade einmal 160 Millionen Euro – die Schweden verdienten also fast 180-mal so viel wie das Berliner Start-up.

Trotzdem rührt die Angriffslust des Start-ups nicht (nur) von reinem Größenwahn. Mit digitalen Geschäftsmodellen verändern Unternehmen wie Home24, Westwing oder auch 99Chairs und Kiveda die Möbelbranche, sie krempeln den Markt mit ihren Geschäftsmodellen komplett um. Musste der Verbraucher früher an den Stadtrand fahren, um in einem großen Möbelhaus nach dem passenden Stuhl zu suchen, kann er sich seinen Wunschgegenstand heute mit wenigen Klicks im Netz bestellen. Doch die Branche ist hart umkämpft-

Ein paar Produktbilder reichen nicht

Wie stark die digitalen Anbieter den Möbelmarkt verändern, zeigt eine aktuelle Prognose der Handelsexperten vom IFH Köln. Sie haben drei Szenarien für die Zukunft entwickelt. Im schlimmsten Fall könnte demnach bis 2020 jedes dritte stationäre Geschäft schließen. Den Grund dafür sieht IFH-Experte Jens Rothenstein im fehlenden Engagement kleiner Händler in der digitalen Welt. Eine eigene Webseite würde nicht ausreichen: „Es ist nicht damit getan, ein paar Produktbilder online zu stellen“, so Rothenstein. Wer ernsthaft in den E-Commerce mit Möbeln einsteigen wolle, müsse etwa die Verfügbarkeit der Waren anzeigen und eine gute Kunden-Hotline bieten, sagt er. „Viele alteingesessene Händler unterschätzen das.“ Selbst Ikea betreibt bislang einen vergleichsweise lieblosen Onlineshop, der mit seinen hohen Versandkosten eher Kunden abschreckt.

Gleichzeitig wird der Markt für den digitalen Möbelhandel immer größer. Im vergangenen Jahr wurden 19,4 Milliarden Euro Umsatz in der Einrichtungsbranche gemacht, wie das EHI Retail Institut herausgefunden hat. Der Anteil des Onlinehandels liegt mit gut 1,6 Milliarden Euro zwar noch im einstelligen Prozentbereich, zeigt aber ein deutliches Wachstum von knapp einem Viertel im Vergleich zu 2013.