Hinter dem Gebrauchtwagenportal Heycar stehen künftig zwei Großkonzerne: VW und Daimler. Wie die Firma trotzdem als Start-up arbeiten will, erklärt Geschäftsführer Markus Kröger im Interview.

Mit der Gebrauchtwagenplattform Heycar will Autobauer VW die Konkurrenz von Autoscout24 und Mobile.de überholen.  Hinter dem Portal steht die Firma Mobility Trader, Hauptinvestor ist derzeit die VW-Tochter Financial Services. Nun beteiligt sich auch der Autokonzern Daimler zu 20 Prozent an dem Portal, wie vor einigen Tagen bekannt wurde.

Welche Folgen der Einstieg eines weiteren Großkonzerns für die junge Firma hat – und mit welcher Strategie Heycar auf dem umkämpften Markt bestehen will, erklärt Geschäftsführer Markus Kröger im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer.

Herr Kröger, was verändert sich für Heycar, wenn VW-Konkurrent Daimler mit 20 Prozent einsteigt?
Im Tagesgeschäft wenig, für unsere Vision sehr viel. Operativ arbeiten wir mit unserem Hauptinvestor VW Financial Services (VWFS) sehr gut und sehr unabhängig zusammen. Das wird sicherlich mit Daimler auch so sein. Der Einstieg von Daimler ermöglicht es uns vor allem, unsere Positionierung als markenneutrale Plattform für hochwertige Gebrauchtwagen weiter zu stärken und unser Portfolio an Fahrzeugen auszubauen. Bisher haben wir 320.000 Autos auf der Plattform und arbeiten mit mehr als 3.000 Händlern zusammen. Unser Ziel ist, im ersten Quartal 2019 mehr als 500.000 Fahrzeuge auf der Plattform zu haben. Hier ist Daimler ein starker Partner. Erst einmal steht aber noch die Entscheidung des Bundeskartellamts an, damit der Daimler-Einstieg offiziell wird.

Wie greift VW als Investor bisher in Ihre Geschäftsabläufe ein?
Es gibt einen Beirat, der sich viermal im Jahr trifft und über strategische Veränderungen und Investments berät. In dem Gremium sitzen aktuell Mitglieder von VWFS und einige externe Berater. Im Rahmen der dort getroffenen jährlichen Budgetvereinbarungen können wir frei agieren.  

Welche Entscheidungen treffen Sie zum Beispiel alleine?
Ein Beispiel sind Marketingausgaben. Gerade läuft eine große Marketing-Kampagne in TV, Print und Online. Durch das vereinbarte Budget erhalten wir operativ mehr oder weniger die komplette Freiheit. Im Übrigen hat das Investment eher positive Auswirkungen auf operativer Ebene, weil wir einen besseren Zugang zu den Konzerndienstleistungen erhalten. Zum Beispiel wird es in Zukunft so sein, dass man über unser Portal bei Daimler-Fahrzeugen automatisch Finanzierungsmöglichkeiten über Daimler Financial Services angezeigt bekommt. Außerdem werden wir jetzt eher als Partner auf Augenhöhe wahrgenommen.

Warum finden Sie das wichtig?
Der Mobilitätsbereich ist so stark im Umbruch, dass wir durch die Nähe zu den großen Playern aus der Autoindustrie zum präferierten Partner für viele Projekte werden. Im Umkreis des Daimler-Konzerns sehen wir außerdem einige spannende Start-ups, mit denen wir künftig enger kooperieren könnten. Das Potenzial ist an mehreren Stellen vorhanden.

Aber wie viel Start-up-DNA ist noch vorhanden mit bald zwei Großkonzernen im Hintergrund?
Heycar ist jung und verfügt über eine Start-up-Kultur. Nicht umsonst wurden wir 2017 von VWFS mit größtmöglicher Autonomie gegründet: eigene Marke, eigenes Management und eigener Standort, Berlin statt Braunschweig. Um schnellstmöglich erfolgreich zu sein, brauchte es ein externes digitales Team, kurze Entscheidungswege und schnelle Realisierung.  Daran soll sich nichts ändern, so dass wir auch mit einem weiteren Investor keine Limitierungen und keine zusätzliche Bürokratie bekommen, die unserer Start-up-DNA entgegenstehen würde.

Das ist schwer vorstellbar bei einer Konzern-Ausgründung, die so stark unter Innovationsdruck steht.
In einem Markt, der knapp 20 Jahre von zwei Platzhirschen traditionell dominiert wurde, ist Innovation entscheidend. Um in diesem Bereich Vorreiter zu sein, haben wir unter anderem Design-Thinking-Methoden etabliert. Zudem geben uns unsere Mitarbeiter jede Woche im Rahmen einer Online-Befragung Feedback zu Teamatmosphäre, Herausforderungen beim Wachstum und Zufriedenheit. Das ist auch unserem Investor wichtig, um zu sehen, wie wir uns als Start-up selbst verstehen.

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