Mit ihrer veganen Käsealternative konnten die Happy Cheeze-Gründer Frank Thelen und Carsten Maschmeyer überzeugen. Warum es letztlich doch nicht zum Deal kam.

„Alles andere ist Käse“: Mit einer veganen Käsealternative auf Basis von Cashewkernen trat in der gestern ausgestrahlten Folge von „Die Höhle der Löwen“ das Cuxhavener Start-up Happy Cheeze an. Mudar Mannah (44) und sein Geschäftspartner Rocky Wüst (35) baten die Investoren um 500.000 Euro und wollten im Gegenzug zehn Prozent der Firmenanteile abgeben.

„Das war ihr hier anbietet ist ja kein Käse, aber eure Bewertung ist Käse“, befand Carsten Maschmeyer und man glaubte schon, dass die Gründer ohne Investment nach Hause fahren müssten, als Maschmeyer dann plötzlich ganz zahm wurde: „Ihr habt Glück. Mein Sohn ist auch Veganer“, verriet er und machte den Gründern kurz darauf zusammen mit Frank Thelen ein Angebot: 500.000 Euro wollten die beiden in das Start-up investieren, allerdings forderten sie im 30 Prozent der Anteile. Nach einer kurzen Beratung war klar: Mudar Mannah und Rocky Wüst (der heute nicht mehr mit an Bord ist) schlagen ein.

Zu einem Deal kam es nach der Aufzeichnung trotz der vielversprechenden Pläne von Carsten Maschmeyer („Aus einem zartem Pflänzchen machen wir einen botanischen Garten“) jedoch nicht. Die Gründe dafür nennt Mudar Mannah im Interview.

Herr Mannah, mit Carsten Maschmeyer und Frank Thelen konnten Sie gleich zwei Löwen von ihrer Idee überzeugen. Hatten Sie damit gerechnet?
Wir hatten tatsächlich auf genau diese beiden Löwen gehofft – vor allem Frank Thelen hat mit seinen vorangegangen Investments in Lizza und Ankerkraut schon seine Expertise im Food-Bereich bewiesen. Leider kam es schlussendlich aber doch nicht zum Abschluss des Deals.

Woran lag das?
Nach einigen Wochen der Beratung und des Austauschs war klar, dass wir unterschiedliche Vorstellungen von der Weiterentwicklung des Unternehmens haben.

Inwiefern?
Unsere Käse sind handgemacht, wir benutzen sehr hochwertige Inhaltsstoffe und verzichten auf Stärke und Bindemittel, wie man sie in analogem Käse häufig findet. Diese traditionell handwerkliche, vergleichsweise teure Herstellung und der dadurch hohe Verkaufspreis erschweren allerdings eine schnelle Skalierung. Aber wir halten an dieser Arbeitsweise fest, auch wenn das bedeutete, dass wir auf das Geld der Löwen schlussendlich verzichten mussten.

Wie haben diese darauf reagiert?
Ohne Vorwürfe, schließlich haben beide Seiten gemerkt, dass Happy Cheeze wohl nicht das passende Produkt für große Ketten wie Rewe, Edeka oder Real ist und wir eher langsam wachsen sollten. Und sowohl Carsten Maschmeyer, als auch Frank Thelen haben uns trotzdem kostenlos beraten und mit Kontakten unterstützt.

Wie haben Sie Happy Cheeze seitdem finanziert?
Die Dr. J. Schmidt Beteiligungen GmbH aus Hamburg ist bei Happy Cheeze eingestiegen und hält nun 40 Prozent. Die genaue Summe, die investiert wurde, darf ich allerdings nicht nennen. Der Kontakt kam über die GLS Bank zustande, bei der ich ein Darlehen habe.

Wie läuft es aktuell für Ihr Start-up? Bei der Aufzeichnung der Sendung im März sprachen sie von Internationalisierung… 
Tatsächlich ist vegane Ernährung in vielen anderen Ländern zurzeit ein großer Trend und darum verkaufen wir Happy Cheeze mittlerweile auch außerhalb Deutschlands, zum Beispiel in England, Frankreich und bald auch in Italien. Auch mit Händlern an der amerikanischen Ostküste stehen wir in Verhandlungen. In den USA gibt es zwar bereits Ersatzkäse auf Basis von Cashewkernen, aber der Markt ist groß genug für unterschiedliche Anbieter. In der Schweiz und in Österreich sind wir noch auf der Suche nach Großhändlern, die Happy Cheeze vertreiben wollen.

Und der Umsatz? 
Geplant waren 2,5 Millionen Euro Umsatz dieses Jahr. Das werden wir allerdings nicht erreichen. Ich gehe von einer Million Euro aus.

Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee zu Happy Cheeze?
Ich bin schon immer ein leidenschaftlicher Koch. Seit rund sieben Jahren ernähre ich mich vegan und habe ziemlich schnell angefangen, in meiner Küche zu experimentieren, weil mir das bestehende Angebot nicht geschmeckt hat. Eines Tages stieß ich auf ein rudimentäres Rezept, in dem stand, wie an aus Cashewkernen eine Käse-Alternative herstellen kann. Das habe ich dann verfeinert.

Und dann haben Sie Ihren eigentlichen Beruf als Unfallchirurg gekündigt und beschlossen: Damit mache ich mich selbstständig? 
So in etwa. Das ging natürlich nicht von heute auf morgen, aber ich war schon länger auf der Suche nach einer Alternative zu meiner Tätigkeit als Arzt. Bis Mitte 2016 habe ich noch einmal in der Woche in Hamburg in einer Praxis gearbeitet, doch als wir unseren Betrieb auf 700 Quadratmeter vergrößert hatten, blieb dafür keine Zeit mehr. Anfangs wurde ich übrigens häufig belächelt, denn als ich 2011 begann, Rezepte zu entwickeln gab es noch sehr wenig Veganer in Deutschland. Damals war „vegan“ fast noch ein Schimpfwort.