Felix Haas, 28 Jahre, ist CEO von amiando, das er 2006 gemeinsam mit Armin Bauer, Sebastian Bärhold, Marc Bernegger, Markus Eichinger und Dennis von Ferenczy gegründet hat. Er hat Elektro- & Informationstechnik an der TU München, der ETH Zürich und der Stanford University studiert.

Gründerraum: Herr Haas, mitten in der Krise meldet amiando eine Umsatzsteigerung von 200 Prozent. Wie erklären Sie sich denn das?
Felix Haas: Zum einen helfen wir Veranstaltern, ihre Kosten zu senken und ihre Events besser zu vermarkten – und das ist gerade in der Krise wichtig. Veranstalter, die amiando bisher aus purer Gewohnheit nicht genutzt haben, entdecken es jetzt neu, weil sie dort Geld sparen können. Zum anderen haben wir sehr zufriedene Kunden, die auch in schwierigen Zeiten auf uns setzen: Über neun von zehn Nutzer, die wir 2007 gewinnen konnten, haben unsere Dienste auch 2009 wieder in Anspruch genommen.

Womit verdienen Sie das meiste Geld?
Knapp 60 Prozent nehmen wir über den Verkauf von Tickets zu Veranstaltungen ein, knapp 40 Prozent über Events, die Unternehmen mithilfe unserer Web-Software organisieren. Außerdem können Privatpersonen mit amiando ihre Feiern planen – daran verdienen wir zwar nichts, es erhöht aber unseren Bekanntheitsgrad.

In welchen Ländern außerhalb Deutschlands machen Sie die besten Geschäfte?
Rund 55 Prozent und damit mehr als die Hälfte des Umsatzes erwirtschaften wir im nicht-deutschsprachigen Ausland. Besonders gefragt ist amiando in England, Frankreich und in Spanien.

Die USA sind nicht dabei – warum haben Sie es versäumt, dort Fuß zu fassen?
Wir sind zwar nicht direkt vor Ort in den USA aktiv, haben aber trotzdem hunderte Kunden dort. Die USA sind allerdings ein stark fragmentierter Markt: Es gibt dort mehrere Anbieter, die ähnliche Produkte anbieten. Deswegen ist Nordamerika nicht unser Kernmarkt. In Europa ist das anders: Hier haben wir den Markt für Online-Eventsoftware neu geschaffen und konnten unsere führende Position seitdem erfolgreich festigen und ausbauen.

Dann können Sie sich ja bequem zurück lehnen und die Gewinne abschöpfen, oder?
Nein, so leicht ist das nicht. Im Moment investieren wir viel Geld in Marketing und Vertrieb und stellen neue Mitarbeiter ein, um noch mehr große und bekannte Veranstaltungen an Land zu ziehen – das lockt dann auch kleinere Kunden an. Aber wir gehen davon aus, dass die Umsätze in etwa drei bis vier Monaten unsere laufenden Kosten decken und wir dann profitabel arbeiten.

amiando ist nach Angaben der Gründer „das europaweit führende Online-Tool, um professionelle Eventorganisation zu vereinfachen“. Mit der Software des Startups, die sich ohne Installation über den Browser verwenden lässt, können Anbieter Veranstaltungen wie Konferenzen, Parties oder Konzerte managen, Einladungen versenden, Teilnehmer verwalten, Tickets verkaufen und Zahlungen abwickeln. Über 70.000 Events sind Firmenangaben zufolge bereits mit amiando organisiert worden. amiando wurde seit seiner Gründung 2006 mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der „Red Herring Top 100 Europe“ oder der, „TechCrunch The Europas Award“. Die Firma wird von den Venture-Capital-Gesellschaften Wellington Partners, AdInvest und einem Netzwerk internationaler Business Angels unterstützt.

Was wollen Sie außer dem Break-Even in den nächsten Monaten erreichen?
Auch 2010 wollen wir den Umsatz verdreifachen. Außerdem wollen wir noch enger mit sozialen Netzwerken kooperieren. Schon seit einem Jahr arbeiten wir beispielsweise mit Facebook zusammen. So können wir Veranstaltungen viral vermarkten.

Was genau muss man sich denn unter “viral vermarkten” vorstellen?
Wenn sich beispielsweise Mitglieder von Facebook bei amiando anmelden, können sie ihren Freunden mitteilen, zu welchen Veranstaltungen sie gehen. Wenn die Freunde dann die gleichen Tickets kaufen, bekommen sie einen Freundschaftsrabatt. Und nicht nur das: Der Ticketkäufer, der das Event seinen Freunden empfohlen hat, bekommt für jedes verkaufte Ticket eine Prämie. So profitieren beide. Das funktioniert übrigens auch über Twitter oder andere soziale Dienste.

Und das kommt an?
Bei größeren Veranstaltungen verkaufen wir inzwischen bis zu 25 Prozent der Tickets über unseren Event Promotion-Dienst „ViralTickets“.

Auch Xing bietet seit einigen Wochen Online-Applikationen an. Obwohl dort permanent für Veranstaltungen geworben wird, gibt es noch keine “amiando-App” für Xing. Wann ändern Sie das?
Events und Social Networks passen natürlich optimal zusammen. Mehr verraten will ich aber noch nicht.

Was ist die größte Herausforderung, wenn Sie Event-Veranstalter von Ihrem Angebot überzeugen wollen?
Excel. Viele Veranstalter haben sich so sehr an das Microsoft-Programm gewöhnt, dass sie damit einfach weiter arbeiten wollen – auch wenn es vielmehr Arbeit macht und unterm Strich teurer ist, alle Teilnehmer manuell in eine Tabelle einzugeben und Zusagen und Absagen irgendwie farbig zu markieren. Mit amiando lassen sich Veranstaltungen viel leichter planen. Diese Botschaft müssen wir rüberbringen. Namhafte Referenzkunden wie BMW, die mit uns weltweit sämtliche große Events organisieren, helfen uns dabei.

Wie viele Tickets muss ein Veranstalter verkaufen, damit er sich für Sie überhaupt lohnt?
Jedes einzelne Ticket zählt, denn wir sind ein so genanntes Long-Tail-Business. Das bedeutet: Auch wenn ein Veranstalter nur ein Ticket verkauft, haben wir an ihm verdient: Wir bekommen 7,5 Prozent des Ticketpreises zuzüglich 50 Cent. Deswegen sind auch kleine Events für uns attraktiv – und unsere Plattform ist für sie ebenso geeignet wie für Großkunden.

Live-Bild: Ein Bildschirm in der Münchner amiando-Zentrale zeigt an, wo in der Welt gerade Tickets verkauft werden und die Kasse klingelt. (Fotos: Amiando)

Wie schaffen Sie es, bei mehreren tausend Events im Jahr und nur 28 Mitarbeitern nicht den Überblick darüber zu verlieren, was auf Ihrer Plattform alles passiert?
Keine Sorge: Damit jeder unserer Mitarbeiter in München das mitbekommt, haben wir im Eingangsbereich einen großen Bildschirm mit einer Weltkarte aufgehängt. Egal ob bei einem Festival in Hamburg oder beim Treffen der Harvard Alumni in Frankreich: Immer dann, wenn irgendwo jemand ein Ticket kauft oder sich ein Teilnehmer zu einem Event anmeldet, blinkt dort ein Symbol auf und zeigt an, wie viel wir gerade verdient haben. Das motiviert sehr!

Herr Haas, vielen Dank für das Gespräch.