Das eigene Büro, das eigene Ladenlokal gilt immer noch als selbstverständlich. In seiner Kolumne erklärt Günter Faltin, warum das für Entrepreneure nicht sinnvoll ist.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Einmal im Monat analysiert Günter Faltin, emerierter Professor für Entrepreneurship an der Freien Universität Berlin und Autor von Büchern wie „Wir sind das Kapital“, die Start-up-Szene. In seiner Kolumne erklärt der Professor dieses Mal, wie Gründer ihre Ressourcen mehrfach verwenden können.

Von Günter Faltin

Technischer Fortschritt hat etwas Spektakuläres, Zukunftweisendes und verkörpert für den modernen Menschen so etwas wie den Kern des Fortschrittglaubens überhaupt.

Es gibt aber nicht nur Technologie als treibende Kraft. Wir können Fortschritte auf vielen Ebenen erzielen: organisatorischer Fortschritt, Konventionen auf den Prüfstand stellen, Neukombinieren vorhandener Ressourcen, Mehrfachnutzung, bessere interkulturelle Zusammenarbeit. Wir müssen nicht alle wie gebannt auf die Neuentwicklungen im Bereich der Technologie starren.

Wie kann man etwas mehrfach nutzen?

Werfen wir einen Blick auf die Natur: Sie nutzt ihre Ressourcen immer mehrfach, in höchst vielfältiger Weise. Sie zeigt uns, wie wir ökologische Prinzipien in sparsame Ökonomie umsetzen können. Doch was in der Natur Standard ist, fällt uns Menschen schwer. Es ist für uns eher unüblich, in Kategorien der Mehrfachnutzung zu denken. Das eigene Büro, das eigene Ladenlokal sind immer noch fast selbstverständlich. Die Gewohnheiten sind zu stark.

Im September 2013 ging die Nachricht durch die Medien, dass ein neu errichtetes Hochhaus in London durch seine gekrümmte Fassade aus Glas wie ein Brennspiegel wirke. Zwei Autos seien durch die gebündelten Sonnenstrahlen angeschmolzen worden. Was geht Ihnen als Erstes durch den Kopf? Ob die Versicherung für den Schaden aufkommt? Oder denken Sie als Entrepreneur?

Eine neue Sichtachse tut sich auf. Wie kann man Fassadenformen nutzen? Ihnen eine zweite Funktion geben.