Das Konzept eines Start-ups muss zum Gründer passen, argumentiert Günter Faltin in seiner Kolumne. Denn Erfolg eines Unternehmens hängt längst nicht nur an der Disziplin.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer:  Einmal im Monat analysiert Günter Faltin, emerierter Professor für Entrepreneurship an der Freien Universität Berlin und Autor von Büchern wie „Wir sind das Kapital“, die Start-up-Szene. In seiner Kolumne erklärt der Professor dieses Mal, warum die Idee für das Start-up zum Gründer passen muss.

Von Günter Faltin

Der Gedanke, dass Ihr unternehmerisches Konzept, das Entrepreneurial Design, stimmig zu Ihrer Person sein sollte, ist keineswegs selbstverständlich. Das Prinzip der opportunity recognition, das die amerikanischen Lehrbücher zu Entrepreneurship dominiert, hat wenig oder überhaupt nichts mit der Person des Gründers zu tun. Die Frage „Passt die sich abzeichnende Gelegenheit auch zu meiner Person?“ wird gar nicht erst gestellt. Die Gelegenheit sei das Wertvolle, stehe im Mittelpunkt und nicht Sie als Person.

Auch bei den Förderprogrammen geht es nicht um Sie, Ihre Talente oder Ihre persönlichen Vorlieben. Die staatlichen Programme haben den Beschäftigungseffekt Ihrer Gründung im Auge. Sei es, weil man hofft, dass Sie als Arbeitsloser selbständig tätig werden, sei es, dass man hofft, dass durch Ihre Gründung weitere Arbeitsplätze entstehen. Auch Kapitalgeber tragen nicht Ihre persönlichen Anliegen im Herzen. Sie wollen Erfolge sehen. Venture Capital setzt Ihnen milestones, die Ihnen den Takt vorgeben. Schnelles, hohes Wachstum ist das Ziel.

Es geht doch um den Markt. Oder?

Und die Gründer selbst? Gehen Sie von der eigenen Person aus? Keineswegs. Die Vorstellung, dass erfolgreiches Gründen mit einer zündenden Idee zu tun hat, ist tief verankert. So, als käme es auf den Einfall an, so, als wurde ein genialer Blitz Licht ins Dunkel der Möglichkeiten bringen. Damit kommen Sie nicht weiter. Das, was wir über geniale Erfindungen oder bahnbrechende Ideen kennen, ist meist das Ergebnis langjährigen Bemühens und hartnäckig-konsequenten Bearbeitens eines Problems. Der Genieblitz steht, wenn überhaupt, am Ende, nicht am Anfang dieser Arbeit.

An der Person des Gründers vorbeizudenken, wäre ein schwerer Fehler. Ja, ich weiß – man macht das beim Entrepreneurship nicht. Die Person in den Mittelpunkt rücken. Wo kämen wir da hin? Es geht doch um den Markt. Es geht darum, etwas anzubieten, was von den Marktteilnehmern gebraucht und nachgefragt wird.