Die Generation der erfolgreichen Digitalunternehmer kann Konzernen und Beratungen voranbringen. Doch auf dem Weg zur Zusammenarbeit lauern viele Risiken. Ein Gastbeitrag.

Ein Gastbeitrag von Falk Sonnenschmidt

Die Lust auf Gründungen wächst – die Furcht vieler Angestellter, nach einem Scheitern in der Selbstständigkeit wertvolle Karrierejahre verloren zu haben, bleibt jedoch hoch. Die Realität erfolgreicher Gründer könnte nicht weiter davon entfernt sein. Die Türen zu Wirtschaft, Beratung oder sogar Politik stehen weit offen. Digitale Gründungserfahrungen und Unternehmertum zählen zu den heißesten Skills auf dem Arbeitsmarkt – das Ausmaß des Gründungserfolgs ist hierbei oft zweitrangig. Doch so verzweifelt auch Konzerne und Beratungen um die Start-up-Unternehmer werben: Automatisch ergänzen sich die begehrten Talente nicht mit etablierten Unternehmen. Bewegt sich die alte Wirtschaftswelt nicht, werden auch die neuen Vordenker an den althergebrachten Strukturen und Denkweisen scheitern.

Das Feld der begehrten Gründungserfahrenen ist ohnehin überschaubar. Konzentriert man sich auf Talente, die ihre Digitalunternehmen erfolgreich auf Umsätze von mehr als zwei Millionen Euro und einer Teamgröße von mehr als 15 Mitarbeiter gebracht haben, kommt man auf etwa 180 passende Gründerprofile dieser Größe in Deutschland. Die Teamgrößen sind entscheidend, da sich ab dieser Mitarbeiterzahl das direkte Führungspotenzial eines Gründers zeigt. Gründer, die diese Schwellen gemeistert haben, können nachweislich digitale Organisationen und Produkte bauen, die relevante Umsätze generieren.

Diese Fähigkeit ist auch ausschlaggebend für den Erfolg digitaler Initiativen im Familienunternehmen oder dem digitalen Hub eines Konzerns. Deshalb gewinnt die Gründerpersönlichkeit mehr und mehr an Bedeutung. Digitale Gründer zeichnen fünf besondere Fähigkeiten aus:

  1. Digital Product Development: In der digitalen Produktentwicklung beherrschen Gründer die Fähigkeit, die wichtigen Kundenprobleme zu identifizieren, in kürzester Zeit eine relevante Lösung zu entwickeln und diese mit kleinem Budget erfolgreich zu vermarkten. Ein Mangel an Ressourcen zwingt Gründer zu einem radikalen Kunden- und Produktfokus, um das Überleben des Start-ups zu sichern.
  2. Digital Customer Journeys: Gründer bringen wertvolle Erfahrungen im Aufbau von digitalen Customer Journeys mit. Ziel einer jeden Kundenbegegnung ist es, Umsatz zu generieren. Gründer ordnen diesem Ziel alle Aktivitäten unter. So werden nur Features entwickelt, die einen nachweislich positiven Effekt auf steigende Verkaufszahlen und den Umsatz haben.
  3. Hohe Umsetzungsgeschwindigkeit: Gründer arbeiten in der Umsetzung überdurchschnittlich ressourceneffizient. Insbesondere Tech-Gründer kombinieren tiefes technisches Verständnis mit unternehmerischem Pragmatismus und schätzen den Aufwand technischer Projekte risikoadjustiert ab. Diese Einstellung ermöglicht Gründern und ihren Teams, Produkte in Hochgeschwindigkeit umsetzen. Ein Prioritätenwechsel, der für viele Konzerne nicht realisierbar ist.
  4. Digital Mindset & Culture: Gründer haben die Fähigkeit, eine starke, digitale Unternehmenskultur zu gestalten. Ein Tech-Gründer mit wenig Budget muss die Unternehmenskultur und das Arbeitsumfeld so gestalten, dass sich eher risikoaverse Entwickler auf eine kleine Firma einlassen. Talentierte und motivierte Mitarbeiter schätzen Herausforderungen, die sie dazu zwingen, selbstbestimmt ihre Grenzen zu erweitern. Erfolgreiche Gründer ermutigen ihre Mitarbeiter darüber hinaus, neueste Methoden, Tools und Protokolle zu nutzen, um die bestehenden Herausforderungen zu lösen.
  5. Persönlichkeit: Neben hoher, intrinsischer Motivation ambitionierte Ziele entgegen offensichtlicher Widerstände durchzusetzen, kombinieren Gründer Motivation mit einer überdurchschnittlichen Arbeitsethik. Die Arbeitsethik befähigt sie auch unter sehr hohem Druck schnell Ergebnisse zu liefern, mit denen sich die ambitionierten Ziele erreichen lassen.

Diese Eigenschaften ermöglichen es Gründern, großartige Dinge zu vollbringen, enormes Momentum aufzubauen, Menschen zu mobilisieren, Entscheidungen in ihrem Sinne zu beeinflussen und teilweise über Regeln und Gesetze hinwegzugehen. So bringen digitale Gründer all‘ die Fähigkeiten mit nach denen Konzerne und auch Beratungen verzweifelt suchen.

Doch so beeindruckend und wertvoll das Skillset eines digitalen Gründers, so schafft die Gründerpersönlichkeit oft ein starkes Spannungsfeld in etablierten Strukturen. Das führt zu Herausforderungen bei der Zusammenarbeit mit Konzernen oder Beratungen.

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