Was zeichnet gute Gründer aus? Unternehmensberater und Coach Walter Bock  verrät, wie das schon Jugendliche herausfinden können.

WirtschaftsWoche Gründer: Herr Bock, welche Gründertypen gibt es?

Walter Bock: Der Gründertypus, wenn man es so bezeichnen möchte, ist sehr von der Persönlichkeitsstruktur abhängig – also so vielfältig wie Menschen nun mal sind. Natürlich gibt es zum Beispiel vorwärtspreschende oder eher zurückhaltendende Menschen, die ihre Ideen alleine entwickeln, aber selten öffentlich in Erscheinung treten. Das lässt sich schon bei Schülern deutlich erkennen – und wir versuchen, alle in ihrer Persönlichkeit zu unterstützen.

Ihr Training ist also immer auch eine Persönlichkeitsanalyse?
Ja. Wir versuchen den inneren Willen der Schüler zu finden, wofür sie wirklich brennen. Denn beim Gründen wie auch im Leben kommt es immer darauf an, dass jeder das machen sollte, was er wirklich möchte. Die Schüler sollen sich also schon früh fragen, ob sie dieses oder jenes wirklich wollen.

Kam es in Ihren Seminaren schon vor, dass Menschen sich plötzlich anders entschieden?
Ja. Wir hatten einmal einen Schüler, der schon einen Vertrag bei der Bundeswehr unterschrieben hatte, weil sein Vater, sein Bruder, sein Onkel auch dort arbeiteten. Schon früh haben wir aber damals gemerkt, dass er nicht seinen Traum lebt, sondern den seiner Familie. Er hat den Vertrag noch in der Nacht gekündigt. In einem anderen Training fiel uns ein Mann auf, ein durchaus erfolgreicher Autoverkäufer. Er verkaufte schon 45 Jahre lang in der gleichen Firma Autos, war aber sein ganzes Leben an seinem Traum vorbeigelaufen. Statt Autos verkauft er jetzt Schiffe und ist dabei sehr glücklich.

Was bringen Sie den Schülern in Ihren Seminaren bei?
Wir lassen die Schüler vor Unternehmern und Managern üben, ihre Ideen zu pitchen – und sie bekommen auch ein ehrliches Feedback. Viele sind erstaunt, wie ernst die Manager sie nehmen. Gleichzeitig lassen wir sie aber auch Vorträge üben und analysieren in Einzel- oder
Gruppencoachings die Körpersprache.

Und das funktioniert?
Schon bei 16- bis 20-Jährigen spürt man, wie die ticken. Und mit Übungen aus der Theaterwelt lässt sich schnell erkennen, wer beim Pitch eher überfordert sein oder wer mit viel Selbstvertrauen in das Gespräch gehen wird.

Was empfehlen Sie zukünftigen Gründern?
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man sich Wissen schon in der Schule aneignen kann. Fähigkeiten wie Beharrlichkeit oder der Umgang mit Rückschlägen finden in der Schule aber kaum Raum. Das müsste sich ändern.