Die Kölner Start-up-Szene veranstaltet ihre erste Karnevalssitzung. Am Morgen nach Weiberfastnacht. Stimmung kommt trotzdem auf – auch dank „Wahrheit oder Pflicht“.

Für ihren Vortrag vor der Kölner Start-up-Szene haben sich Christoph Below und Henrik Wehrs der Veranstaltung angemessen gekleidet. Während die beiden Gründer in den Sartory-Sälen über die Entwicklung ihres Energy Drinks „Schwarze Dose“ (heute 28 Black) erzählen, sind sie kostümiert – als Pinguin und als Frosch.

Wären da nicht die Kostüme, könnte es eine gewöhnliche Start-up-Veranstaltung sein. Es könnte auch eine gewöhnliche Karnevalssitzung sein, wäre da nicht das Programm. Weil die Kölner Start-up-Szene aber beides vermischt, ist es eine ungewöhnliche Sitzung, die am Freitagmorgen, am Tag nach Weiberfastnacht, in der Nähe des Friesenplatzes stattfindet. Unter dem Motto „Jecke Gründer“ hat der Bundesverband Deutscher Start-ups (BDVS) gemeinsam mit seinen Regionalleitern NRW Köln und NRW Ruhrgebiet zum Karnevalsfrühstück geladen, 30 Euro kostet die Karte.

Risiko? „Et hätt noch immer jot jejange“

Offiziell reden Below und Wehrs, der Pinguin und der Frosch, darüber, wie sie ihr Start-up „Schwarze Dose“ aufgebaut und später verkauft haben. Doch sie erzählen die Geschichte nicht chronologisch oder ausschließlich faktenbasiert. Stattdessen zeigen sie, dass Gründer vom Kölschen Grundgesetz einiges lernen können: Dass der Markt gesättigt sein kann, zum Beispiel („Et es wie et es“). Dass ein bisschen Risiko zur Gründung dazu gehört („Es hätt noch immer jot jejange“). Dass ein Start-up nach dem Verkauf nicht immer so weitergeführt wird, wie man es sich als Gründer wünschen würde („Wat sull dä Quatsch?“).

Below und Wehrs thematisieren humorvoll auch Probleme, zum Beispiel, wie schwer es war, sich auf eine Rezeptur festzulegen. Am Ende des Ausprobierens müsse man sich entscheiden, ob man noch den einen Stoff darin haben wolle oder nicht, sagt Wehrs. Aber die Zwei sind auch selbstironisch und berichten von der Gewichtszunahme durch das ständige Trinken des zuckrigen Getränks. „Das Pinguinkostüm stammt noch aus dieser Zeit“, sagt Below schmunzelnd und zieht das etwas zu weite Kostüm zum Beweis auseinander.

„Das Kostüm verrät nicht immer die Position“

Wie die Präsentation ist auch das Frühstück ein Mix aus Ernst und Spaß, ein Mix aus Netzwerken und Schunkeln. Auf dem Sprechpult steht ein Mac, direkt daneben eine Flasche Kölsch. Auf den Tischen liegen Luftschlangen, auf den Tellern Pappnasen. Die etwa 120 Gäste tragen größtenteils Kostüme, sind als Scheichs und Biergläser, als Kleopatras und Fußballspieler gekommen. Unter den Stoffen stecken Gründer, Investoren, Konzernvertreter und Interessierte. Doch die Oberfläche täuscht dabei auch: „Das Kostüm verrät nicht immer die Position“, sagt ein Anwesender.