Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen jedoch, dass die Existenzgründung für Menschen mit Behinderung noch eine selten genutzte Chance ist. Gerade einmal zwei Prozent der bewilligten „Gründungszuschüsse“ werden von Menschen mit Behinderung beantragt- eine unterdurchschnittliche Beteiligung. Neben diesem können Menschen mit Behinderungen bei einer Existenzgründung Zuschüsse und Darlehen für behindertenbedingte Investitionen beantragen. Pamela Pabst hat so ihren Computer mit einer Braille-Zeile ausgestattet, der den Bildschirminhalt in Blindenschrift überträgt, sie hat einen sprechenden Stift und eine sprechende Briefwage. E-Mails lesen, Akten beschriften, Dokumente verwalten und mit Excel arbeiten- all das ist blinden Menschen so auch eigenständig möglich.

Außerdem gibt es die Möglichkeit Arbeitsassistenzen zu beantragen, deren Lohnkosten vom Reha-Träger gedeckt werden. „Behinderung und Gründung ist ein Spagat: Dazwischen sich selbst etwas zu beweisen und pragmatisch zu sein. Die eigenen Grenzen zu kennen und sie so auszugleichen. Man muss sich Hilfe suchen, wenn man sie benötigt“, so Pamela Pabst. Eine Arbeitsassistentin steht ihr 45 Stunden pro Woche zur Seite: Liest ihr Akten vor und gibt ihr Informationen über das Verhalten von Zeugen und Prozessbeteiligten vor Gericht.

So kommen zu den klassischen Herausforderungen in der Gründungsphase behinderungsbedingte Hindernisse hinzu. Um diese aufzufangen, gibt es spezielle Beratungsangebote in der Gründungsphase. „In Beratung fokussieren wir zuerst auf die Ideen und Kompetenzen und dann auf Schwächen und Risiken. Von Anfang an müssen die Behinderung und ihre Auswirkungen auf die Gründung in der Beratung thematisiert werden“, sagt Wolf Gunter Schlief, Leiter der Abteilung Inklusion im Kompass-Zentrum für Existenzgründungen.

Womit die Gründer vor allem lernen müssen umzugehen, ist die Frage, wie sie sich vor Kunden und Geschäftspartnern präsentieren. „Aspekte der Sicherheit spielen bei Gründern mit Behinderung eine besonders große Rolle. Auf die Planbarkeit und Verlaufszeit muss ein besonderer Fokus gelegt werden“, so der Berater. Der Umgang mit Krankheitsschüben oder Zeiten geringerer Belastbarkeit sollte daher eingeplant werden. In einem ersten Beratungsgespräch wird über die Start-up-Idee, Fähigkeiten, Stärken, den bisherigen Werdegang, betriebswirtschaftliche Erfahrungen, Finanzierungsmodelle, das soziale Umfeld, Gesundheit und den zeitlichen Rahmen gesprochen. In weiteren Einzel-Beratungen wird das Produkt durchdacht, eine Marktrecherche vorgenommen, erste Kunden-Kontakte aufgebaut und ein Business- und Finanzierungsplan erstellt. Seminare zu Themen wie Marketing, Buchhaltung, Steuern oder Unternehmerpersönlichkeit helfen weitere Kompetenzen vor dem Beginn des eigenen Start-ups aufzubauen.