In der Tech-Branche ist der Anteil von Gründerinnen besonders gering. Eine neue Studie resümiert: Das liegt vor allem an männlich dominierten Investoren.

Egal in welches Land man schaut – überall gründen Männer häufiger ein Unternehmen als Frauen. Vor allem im Mutterland des Gründergeistes ist das Verhältnis besonders unausgeglichen. In den USA sind Männer Studien zufolge doppelt so häufig unternehmerisch aktiv. Und nach Angaben von Dow Jones wurden nur elf Prozent aller US-Unternehmen, die eine Venture-Capital-Finanzierung erhalten, von Frauen gegründet.

Frauen haben es schwer, vor allem im Silicon Valley. Den Eindruck gewinnt man zumindest bei der Lektüre entsprechender Artikel. Laut New York Times existiert „Sexismus an vielen Orten, aber bei Start-ups ganz besonders”. Und das US-Magazin Newsweek beschrieb die Venture-Capital-Szene in Kalifornien als „Jungsverein”, der „im Silicon Valley für Frauen eine besonders toxische Atmosphäre“ schaffe.

Tatsächlich zeigte eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Jahr 2013, dass selbst bei identischen Inhalten und Präsentationen männliche Gründer mit einer 40 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit eine Wagniskapitalfinanzierung erhalten.

Aber stimmt das wirklich? Liegt es an den tumben Männern, die Frauen weniger zutrauen? Sind die Venture-Capital-Firmen im Silicon Valley Frauen gegenüber wirklich so intolerant und gnadenlos? Und wie ließe sich das Problem lösen?

Antworten auf diese Fragen suchte und fand jetzt Sahil Raina. Der Assistenzprofessor an der Universität von Alberta durchforstete für eine neue Studie (.pdf) die Datenbank von Crunchbase. Sie enthält Informationen sowohl zu den Biographien der Unternehmer, ihrer Investoren und Angaben zu neuen Finanzierungsrunden.

Bei seiner Analyse stieß Raina auf wertvolle Hinweise. Tatsächlich erhielten frauengeführte Start-ups wesentlich seltener finanzielle Unterstützung einer Venture-Firma als männliche. Suchen Gründerinnen also einen Investor, sind ihre Chancen Raina zufolge bei rein männlich dominierten Investoren geringer. Außerdem schnitten die Unternehmerinnen im Anschluss schlechter ab. Während nur 17 Prozent der weiblich geführten Start-ups erfolgreich einen Exit oder Börsengang schafften, waren es bei Männern immerhin 27 Prozent. Ein erheblicher Unterschied.

Doch das Interessanteste war: Dieser Unterschied verschwand komplett – und zwar dann, wenn ein frauengeführtes Unternehmen von einer Venture-Firma mit weiblichen Partnern unterstützt wurde.

Sind männliche Investoren also schlechter darin, Gründerinnen zu bewerten? Womöglich. Doch Raina glaubt vor allem, dass weibliche Finanziers besser zu Gründerinnen passen, weil sie sie gezielter beraten und so die unternehmerische Erfolgschance erhöhen.

Seine Studie enthält auch für Investoren eine wichtige Lektion bereit: Je mehr weibliche Partner bei Finanzierungsentscheidungen mitreden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, in ein Unternehmen zu investieren, das von Frauen geführt wird – und desto geringer die Gefahr, ein Start-up mit Potenzial zu übersehen.