Nach der Finanzierungsrunde im Januar sprechen die Gründer von Gegessen wird immer mit uns über eigene Rinderherden, Produzentenakquise und das Müllproblem beim Onlineversand.

Aus der Landwirtschaft kommen Philipp von Sahr, Friederike Tschacksch und Beatrice von Wrede eigentlich nicht. Von Sahr studierte E-Commerce und Entrepreneurship, Tschacksch arbeitete bei Rocket Internet, von Wrede absolvierte ein Studium in Modemanagement. Trotzdem steht mehr als nur der Profitgedanke hinter der Idee ihres Start-ups Gegessen wird immer: Die drei Gründer wollen die Produkte von kleineren Landwirten verkaufen, die nicht industriell produzieren.

Die oberste Priorität: Qualität. In seinem Onlineshop verspricht das Start-up mit dem ungewöhnlichen Namen Lebensmittel von Landwirten, die noch auf handwerkliche Art hergestellt werden. Im Januar konnten die drei Gründer mit ihrer Idee die Wimex-Gruppe, ein Agrarunternehmen, überzeugen und eine hohe sechsstellige Finanzierung einsammeln. Nun erweitert das Start-up seinen Versand: Ab dem heutigen Dienstag können alle deutschen Haushalte von Gegessen wird immer beliefert werden. Das Unternehmen arbeitet dafür mit UPS zusammen. Bisher war die Auslieferung nur in 14 Ballungsräumen möglich.

Was bedeutet das für den ökologischen Fußabdruck des Start-ups? Was heißt eigentlich Qualität? Wo liegen ihre Grenzen? Und was müssen Betriebe mitbringen, wenn sie bei Gegessen wird immer verkaufen wollen? WiWo Gründer hat bei Philipp von Sahr und Friederike Tschacksch nachgefragt.

Herr von Sahr, Frau Tschacksch, mit Ihrem Start-up Gegessen wird immer versprechen Sie Lebensmittel mit Qualität. Wie definiert man das denn – Qualität?
Philipp von Sahr: Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Bei uns bedeutet das Wort, dass die Waren, die wir verkaufen, keine Konservierungsstoffe enthalten, sondern nur notwendige Zusatzstoffe. Die Erzeuger müssen außerdem die Qualität über die Quantität stellen. Insgesamt haben wir vier Richtlinien aufgestellt, an die wir uns halten.
Friederike Tschacksch: Wir haben sehr lange diskutiert, was uns wichtig ist, und irgendwann festgelegt: So sehen wir das. Es ist aber nicht alles in Stein gemeißelt.

Herr von Sahr, Sie haben vor Gegessen wird immer das Start-up Dein Biogarten geführt. Hätte man Bio und Qualität nicht einfach verbinden können?
Von Sahr: Genau darüber haben wir uns auch den Kopf zerbrochen. Das Problem mit dem Bio-Siegel ist, dass man viele kleine Betriebe ausschließt, die qualitativ Hochwertiges bieten. Uns war das Bio-Siegel zu industrialisiert, wir wollten das Handwerk wiederentdecken.

„Schwieriger, als wir dachten“

Hätten Sie nicht zumindest den Namen beibehalten können?
Tschacksch: Wir haben lange darüber geredet, was einfacher ist: neugründen oder das alte Label neu nutzen. Am Ende haben wir uns dafür entschieden, dass die Neuausrichtung unter neuem Namen der klarere Schnitt ist.
Von Sahr: Wir mussten mit Dein Biogarten auch nicht alles aufgeben. Die Lagerräume bestanden noch, die Firmenkunden sind uns treu geblieben. Außerdem haben wir die GmbH beibehalten. Das war ein Vorteil, weil wir schon eine Basis hatten.

Und Ihre Kunden haben die Umstellung einfach mitgemacht?
Von Sahr: Nein, das war schwieriger, als wir dachten. Die Firmenkunden sind uns zwar erhalten geblieben. Aber obwohl das Kernsortiment weiter das Bio-Siegel trägt, haben einige Privatkunden den Schritt von Bio zu Qualität, vom Öko-Image zum Design-Anstrich nicht verstanden, sie haben sich damit nicht wohlgefühlt. Das haben wir schon gemerkt.